geboren: 21. Juni 1894 in Berlin

gestorben: 22. Januar 1967 in Hamburg

Wenn ein Künstler auf der Höhe seines Schaffens uns verläßt, so hat er es leichter, sich dem Gedächtnis der Nachwelt einzuprägen. Alfred Mahlau hat früh gelitten unter dem Nachlassen seiner produktiven Kräfte und hat die letzten Jahre seines Lebens in selbstgewählter Zurückgezogenheit verbracht, unter körperlicher Schwäche und schweren seelischen Depressionen leidend.

Um so wichtiger ist es, nachdrücklich daran zu erinnern, daß er in seiner besten Zeit in der vordersten Reihe des deutschen Kunstschaffens gestanden hat, nicht freilich als Avantgardist im modischen Sinne, aber durch seinen unbeirrt eigenen künstlerischen Stil, der auch auf andere weithin fruchtbar eingewirkt hat. Ich denke dabei vor allem an seine Tätigkeit in Lübeck, wo der geborene Berliner seine eigentliche Heimat gefunden hat.

Sehr norddeutsch geprägt war sein Wesen: wortkarg, nur im vertrauten Kreise sich voll erschließend, aber von seltener Strahlkraft, in der Tradition wurzelnd, aber offen für alles Neue um ihn her. Die subtilen Aquarelle seiner frühen Entwicklungsjahre haben mitten im Tumult des expressionistischen Aufruhrs kaum ihresgleichen. Mit ruhig beobachtendem Auge hat er nicht nur das Meer, die Dünen, die unbewegt daliegenden Flachlandschaften und Küstenstriche, die Schiffe, die er so sehr liebte, die Tiere, die Blumen, auch und vor allem die kleinen Dinge seiner täglichen Umwelt bis hin zu den in seinem Atelier liebevoll gesammelten Kuriosa, die er wie Kostbarkeiten pflegte, im Bilde eingefangen.

Sein damals viel beachtetes Skizzenbuch „Die weite Welt“ (Berlin, Verlag Gebr. Mann) legt Zeugnis ab für seinen offenen Blick auf Reisen, doch selbst hier sind es nicht in erster Linie die großen Attraktionen für Touristen, die ihn fesselten, sondern die eigenwillig aufgesuchten kleinen Besonderheiten der fremden Länder, die er hingebend studierte und denen er mit Stift und Pinsel einen zauberhaften Glanz verliehen hat.

In seinem Nachlaß finden sich Blätter, die er sorgsam hütete und die er als „Die nahe Welt“ zu bezeichnen pflegte. Sie harren noch der Veröffentlichung und würden es ganz deutlich machen, daß er als ein bescheidenes, aber eigenständiges Talent zu denen gehörte – von Dürer bis Paul Klee (den er hoch verehrte) – die das Geheimnis aus jedem kleinsten Teil der Natur „herauszureißen“ verstanden und es erhöhten durch die Kraft ihres durchdringenden Auges.