J. S. Washington, im Februar

Über das Sprechfunkgerät hörte der Mechaniker aus der Raumkapsel des Versuchsgeländes von Kap Kennedy den Aufschrei "Feuer in der Kapsel". Zwanzig Sekunden später verzeichnete das Meßgerät in einer der Kontrollstationen, mit dem die Herztöne der Astronauten aufgezeichnet werden, keine Schwingungen mehr;

Zum erstenmal verlor Amerika in der kurzen atemberaubenden Geschichte seiner Weltraumfahrt auf einen Schlag ein Astronauten-Team. Es sollte am 21. Februar hochgeschossen werden, zum ersten Start in der Apollo-Serie, der letzten Etappe auf dem Weg zum Mond.

Niemand hatte solch ein Unheil voraussehen wollen. Dabei mußte einmal damit gerechnet werden: Nach sechs Flügen der Mercury-Serie, nach zehn Flügen der Gemini-Serie hatten amerikanische Raumfahrer in 1900 Flugstunden im All über 21 Millionen Kilometer zurückgelegt, waren alle Prozeduren und Berechnungen auf Sekundenbruchteile geglückt – die Starts der Raketen, die Manöver im Weltraum, das rechtzeitige Abbremsen zum Wiedereintritt in die Atmosphäre, die "Spaziergänge" im All, das Landen und Bergen im Ozean. Nichts schien sicherer, als das waghalsigste aller menschlichen Unternehmen – bis der Tod die Astronauten auf der Erde ereilte.

Dreieinhalb Stunden vor der Katastrophe waren Chaffee, Grissom und White in die Kapsel geklettert. Es sollte eine voll simulierte Probe sein für den an dem Tag vor George Washingtons Geburtstag vorgesehenen Start zum ersten Apollo-Flug. Zwei Wochen sollten sich die drei Männer im Raum aufhalten. Als sie in der Kapsel hantierten, unterzeichneten im Weißen Haus gerade die Vertreter von sechzig Nationen das Abkommen über die friedliche Nutzung der Raumfahrt. Es war Freitag, der 27. Januar, 6.31 Uhr abends.

Alle Astronauten und Kosmonauten, gleich welcher Nation, müssen solche Katastrophen stets vor Augen haben, sie leben mit ihnen. Virgil Grissom, der schon zwei Flüge bestanden hatte, wäre bei seinem ersten Unternehmen mit einer Mercury-Kapsel nach der Landung fast ertrunken. Edward White hatte 1965 als erster Amerikaner seine Kapsel für 21 Minuten verlassen. Chaffee war der Neuling, der das große Abenteuer mit dem Leben bezahlte, ehe es für ihn wirklich begonnen hatte.

Das Apollo-Unternehmen, das noch in diesem Jahrzehnt zum ersten bemannten Mondflug der Amerikaner führen soll, wird durch das Unglück nur um einige Monate verzögert. Derart gigantische Experimente kennen keinen Stillstand. Die Investitionen einer Nation an Mitteln, Ehrgeiz und Prestige sind zu gebieterisch.

Während der Ehrensalut. über den Gräbern der drei Opfer verhallte, bereitete sich schon das Ersatzteam auf den ersten Apollo-Flug vor.