Bastarde und Schweine", Jussif Bedas stößt die Worte heraus wie Merlin, der Zauberer, seinen Fluch. Die dunklen Augen blitzen vor Erregung, die Arme fuchteln in der Luft. "Meine Feinde haben mir das Messer an die Kehle gesetzt. Tragisch! Alles war eine sehr gut vorbereitete Verschwörung."

Von den Trümmern der Intra-Bank, die dieser seltsame, brillante Mann einst von Beirut aus kontrolliert hat – und von wo jetzt ein Steckbrief an Interpol geschickt wurde –, hatte ich seine Spur um die halbe Welt herum verfolgt, bis hin zu seinem angeblich auslieferungssicheren Zufluchtsort in Brasilien.

Die Welt des Jussif Bedas war am 14. Oktober vorigen Jahres mit einem Donnerschlag zusammengebrochen, der fast die libanesische Wirtschaft zerstört hätte und die internationale Finanzwelt erschüttert hat. Im Alter von 54 Jahren hatte er an einem Tag noch unangefochten am Steuer seiner 500 Millionen Dollar schweren Intra-Bank gestanden, dem größten Bankinstitut des Nahen Ostens, Muttergesellschaft angesehener Banken an den internationalen Finanzplätzen, Verwaltungsspitze von Beteiligungen in aller Welt. Am nächsten Tag schon besaß seine Bank keinen Pfennig Bargeld mehr, Horden libanesischer Sparer rüttelten an den verschlossenen Toren, das Land taumelte in eine politische Krise, die zum Sturz des Premierministers führte und Bedas war verschwunden wie der Geist aus Aladins Lampe. Er tauchte zum erstenmal wieder in Brasilien an dem Ort auf, wo ich ihn auch gefunden habe.

In der Geschichte von Bedas‘ Leben erinnert vieles an Tausendundeine Nacht. Selbst unter den zwielichtigen Verhältnissen der libanesischen Finanzwelt hat sein Aufstieg zum internationalen Bankier etwas Faszinierendes. Er macht aber gleichzeitig auch verständlich, warum Bedas so viel Feinde hatte, die darauf aus waren, ihn wieder zu stürzen. Als Sohn eines christlichen Lehrers aus Palästina, war Bedas 1948 während des arabisch-jüdischen Krieges aus Jerusalem geflohen, um sich in Beirut niederzulassen. Bedas schaffte es, irgendwie ein Startkapital von 4000 Dollar zusammenzubringen und sich als Geldwechsler zu etablieren. "Ich wählte den Geldwechsel", erzählte er voller Selbstbewunderung, "weil man dabei sein gesamtes Kapital sechsmal am Tag umschlagen kann, jedesmal mit Gewinn." Mit der Schläue eines byzantinischen Teppichhändlers, machte er bei jeder Münze, die durch seine Hand ging, seinen Schnitt.

Eine bemerkenswerte, wenn auch unbedeutende Transaktion zeigt, mit welcher Phantasie er es verstand, seine Vermögenswerte gewinnbringend einzusetzen. Einmal hatte er seine gesamte Büroeinrichtung vermietet und wickelte seine Geschäfte solange auf dem Boden sitzend ab, bis er alles zurück hatte – einschließlich eines sorgfältig kalkulierten Gewinns. Jeder Pfennig davon wurde in die weitere Expansion gesteckt. Bald hatten seine Geschäfte einen solchen Umfang angenommen, daß hundert andere Geldwechsler sich eine neue Beschäftigung suchen mußten. Mit einem unheimlichen Gespür für kommende Bewegungen am Geldmarkt startete Bedas eine Serie kühner Transaktionen mit Banken in aller Welt. Nachdem er sein Wechselgeschäft drei Jahre lang betrieben hatte, war sein Kapital auf 2,1 Millionen Dollar angehäuft – die Summe, die er benötigte, um die Intra-Bank zu gründen.

Von Anfang an war das libanesische Bank-Establishment – eine Clique, zu der nur Herkunft und Tradition den Zugang verschafft – dem Neuling nicht gerade freundlich gesonnen. Selbst nach den nicht eben strengen libanesischen Maßstäben galt Jussif Bedas als unverschämt und zwielichtig. Als Palästinaflüchtling war er für immer ein Außenseiter und, was noch schlimmer war, er hatte in den Augen der alteingesessenen Bankiers das anstößige Gehabe des Neureichen. Er war abgebrüht, gewitzt und eitel.

Der Libanon wird nicht umsonst die Schweiz des Nahen Ostens genannt. Seine großzügigen Bankgesetze – Resultat eines Bakschisch, dessen Höhe nur Allah abzuschätzen vermag – haben den Libanon zu einer finanziellen Zuflucht für jeden gemacht, der in seiner Bilanz etwas zu verbergen hat: Amerikanische Steuerhinterzieher, Ölscheichs, die für die stürmischen Tage der Revolution etwas auf die hohe Kante legen möchten, sowie Erpresser und Hehler aus aller Welt, die dort ihr gestohlenes oder erschmuggeltes Vermögen in Sicherheit bringen möchten. "Beirut" seufzt er voller Wehmut, "war eine grüne Oase für das freie Unternehmertum."