Unser Kritiker sah:

DAS GESTÄNDNIS

Schauspiel von John Mortimer

Deutsches Schauspielhaus in Hamburg

Weil in England der Hauptdarsteller noch eine Fernsehrolle spielte, wurde in London die Theateraufführung verschoben, und aus der deutschen Premiere wurde eine Uraufführung. Der Autor war sichtlich verblüfft, als ihm in Hamburg, deutlich unterschieden vom einhelligen Schlußapplaus für die Schauspieler, Proteste entgegenschallten. John Mortimer (1923 geboren) ist an Erfolg gewöhnt. Dennoch war es schwer zu begreifen, daß sein mit dem Prix Italia ausgezeichnetes Hörspiel "Das Pflichtmandat" auch von vierzig Bühnen gespielt worden ist. Bei der deutschen Erstaufführung während der Berliner Festwochen 1959 konnten nicht einmal so prominente Schauspieler wie Ernst Schröder und Hans Leibelt vom Theatertalent Mortimers überzeugen.

Ein Einakter ist, gemessen an der dramatischen Substanz, auch "Das Geständnis" (The Judge), Mit Hilfe seiner hauptberuflich erworbenen Metierkenntnis als englischer Kronanwalt hat der Autor die Fabel zum abendfüllenden Schauspiel gestreckt. Damit schob er seinen farcenhaft grotesken Grundeinfall auf ein falsches Theatergleis.

Ein alter Richter kommt mit amtlichem Gefolge in eine Provinzstadt, um dort die letzte Gerichtssession seiner Dienstzeit abzuhalten. Sie soll – das ist sein moralischer Entschluß – ein Gerichtstag auch über den Richter selber werden. Vor Jahrzehnten hat er dort in seinem Heimatstädtchen das Mädchen Serena verführt und ihr dann Geld für eine Abtreibung gegeben. Jetzt betreibt Serena ein. Antiquitätengeschäft, das ein besseres Bordell ist.