PARIS: Seine Haute Couture sorgt für Überraschungen. So fand die Dior-Schau sozusagen am Fuße des Kilimandscharo statt, heia Safari: Buschhemden, Buschjacken, Totem-Drucke und -Stickereien, breite Ubangi-Hals- und -Armreifen in Gold, goldene Kettengürtel, an denen Jagdtrophäen baumeln, Urwalddrucke auf reiner Seide und Lettow-Vorbecks verwegener Jagdhut mit Kinnband. Und die Mannequins wandeln zwischen Farnen, Moos und Palmen, die bis an die Decke reichen.

Das beste am Dior-Safari-Look sind die Safari-Kostüme. Sie bringen das Kostüm wieder in die Mode und mit ihm die Hemdbluse, klassisch mit spitzem Kragen bis oben zugeknöpft und immer aus Seide. Der Schnitt der Jacken mit drei oder vier großen geknöpften Taschen deutet ein bißchen Figur an. An den kurzen Röcken, die gewickelt oder in Falten gelegt sind, liegen über den Hüften goldene Kettengürtel.

"Safari" bringt als neue Farben – natürlich – Beige, Holzbraun, Khaki und Weiß. Der Pariser Safari-Stil zeigt sich aber auch kariert in leuchtenden Farben wie Lila-gelb-orange oder Orangegrün-gelb, aber auch in Marineblau mit Weiß und dann immer mit weißen Strümpfen, Schuhen und weißem Pflanzerhut. Solange die Tracht der "weißen Jäger" kopiert wird, hat der Anzug Chic. Die sogenannten "Bou-Bou"-Kleider aus Senegal, die eine Schulter freilassen, den anderen Arm unter einem Cape verstecken und die mit Bermuda-Shorts getragen werden, sind so unpraktisch und unbequem, daß sie, obwohl in Mengen gezeigt, bald vergessen sein werden.

Lange Abendkleider mit einem oder zwei Ärmeln und Lumberjack-Hosenanzüg wirkten vor allem wegen ihrer phantastischen Urwalddrucke. Die neuen Dior-Schuhe sind aus Rosenholz, aus Kork mit Strohgeflecht, dekoriert mit Nüssen oder Früchten aus Bast.

Gänzlich unerwartet stieg das Erfolgsthermometer des Hauses Jeanne Lanvin während einer eiligen kurzen Schau steil in die Höhe. Hier, im ältesten Couture-Haus von Paris, hat die Generation gewechselt. Der junge Erbe Bernard Lanvin, verheiratet mit Maryll, einem früheren Mannequin, hat zusammen mit seinem Modelisten J. F. Crahay eine hinreißend junge Kollektion auf die Beine gestellt. Maryll Lanvin, mit langer schwarzer Mähne, führte mit vor. Die Attraktion waren bauschige Pumphosen, in der Modesprache auch "Bloomers" genannt nach der englischen Reform-Lady Miß Bloomer. Bloomers also wurden unter seitlich geschlitzten Zeltkleidern sichtbar, beide sehr kurz, aber meist in kontrastierenden Farben. Zu allen Kleidern gehörten weiße, marineblaue oder schwarze Strümpfe und sportliche "Olympia-Schuhe".

Mode aus dem Kinderzimmer? Jedenfalls wirkt sie dezenter als der Mini-Rock. Pumphosen unter Kleidern gingen durch die ganze Kollektion bis hin zum Abend, wo sie fessellang an eleganten Pyjamas gezeigt wurden. Es sieht so aus, als würden die Bloomers den vor zehn Jahren so heiß geliebten Petticoat ersetzen. Für die Dreißigjährigen gab es eine neue Version des "Smokings". Die Jacke aus mandarinfarbener Seide, nach Herrenart geschneidert, gehört zu einem Kleid, dessen Oberteil wie eine Hemdbluse aus weißem Organdy aussieht, dessen Rock aus marineblauem Stickereistoff gemacht ist. Marineblau: die Strümpfe, die Schuhe, die schräg sitzende Bubenkappe.

Hosenröcke in Mini-Höhe gab es auch im Hause Nina Ricci. Pipart, der Dessinateur, liebäugelte auch ein bißchen mit dem Safari-Look, aber dann wandte er sich doch mehr dem spanischen Hidalgo zu. Schwarze Kostüme mit langen, etwas abstehenden Jacken waren seine Sensation. Naturfarbene Seidenblusen mit großen gestickten Monogrammen Ton-in-Ton, salopp geschlungene Halstücher und strenge spanische Hüte gehören dazu. Zu Riccis Safari-Look setzt man Tropenhelme aus weißem Glasbatist auf, schlingt sich passende Tücher um den Hals und sehr breite Ledergürtel mit Goldmetall-Schließen um die Taille.