Reinhold Neumann-Hoditz: Chinas heimliche Fronten. Christian Wegner Verlag, Hamburg. 324 Seiten, 22,– DM

Dieses Buch eines jungen politischen Journalisten macht dem Leser eines deutlich: Die Auseinandersetzung in Südostasien, der Krieg in Vietnam ist kein Kampf zwischen zwei Doktrinen oder Systemen, sondern sie ist ein Kampf einer Großmacht um die Ausdehnung ihres politischen, militärischen und wirtschaftlichen Einflusses, um die Erweiterung ihrer politischen Grenzen. Sie ist ein Kampf um die Vormachtstellung Rotchinas und die Grenzen dieser Vormachtstellung in Südostasien.

Das macht dieses Buch wesentlich, denn allzu leicht wird vor allem der Krieg in Vietnam heute vielfach als ein Konflikt zwischen Ost und West mißverstanden. Nicht nur in Amerika, wo man schon aus politischen Gründen zu einer solchen Betrachtungsweise neigt, sondern auch in Europa und in der Bundesrepublik. Allzu häufig werden die Vietcong lediglich als Kommunisten gesehen anstatt als Stoßtrupp Rotchinas, was sie zum mindesten ihrer Bedeutung nach in erster Linie sind.

Neumann-Hoditz hat auf einer siebenmonatigen Reise, die er aus eigener Initiative und auf eigene Kosten unternahm, fast alle nichtkommunistischen Länder Asiens besucht und zwar nicht nur die großen wie Indien, Japan, Indonesien, sondern auch die kleinen, unbekannten, in die sonst selten jemand kommt, von Nepal bis Sickim, von Macao bis Borneo. Aus der Fülle der Eindrücke ergibt sich für ihn ein einheitliches Bild: Überall in Südasien werden heute heimliche Feldzüge geführt, auf militärischem, politischem und wirtschaftlichem Gebiet, und in all diesen Feldzügen kämpft Peking um die Erweiterung seiner Grenzen.

Das Buch macht deutlich, daß die Eroberung von Tibet durch die Chinesen kein isolierter Ausnahmefall war. Sie war einer der vielen Züge Mao Tse-tungs auf dem asiatischen Schachbrett. Ein anderer war der Grenzüberfall rotchinesischer Soldaten auf Indien, ein dritter die Demonstrationen in Macao. Peking benutzt jedes Mal andere Mittel und Methoden. Aber das Ziel bleibt immer das gleiche wie auch im Kampf um Vietnam: China will Großmacht und die alleinige Vormacht Asiens werden. Die Vereinigten Staaten gehören nach chinesischer Ansicht nach Amerika, Rußland ist eine europäische Macht, Asien ist Chinas Feld.

Die westliche Öffentlichkeit hat heute wenig Möglichkeiten, durch eigene Beobachter die Entwicklung in China selbst zu verfolgen und zu analysieren. Dazu sind die Quellen, die es dort gibt, zu spärlich. Um so interessanter ist da ein Buch, das sich nicht wie so viele andere auf ein Schlaglicht auf ein asiatisches Land und seine Probleme beschränkt, sondern das die Entwicklung des ganzen "Subkontinents", wie man den Süden Asiens vielfach nennt, einmal im Zusammenhang betrachtet und im Hinblick auf die immer schärfer nach vorn drängende Großmacht China würdigt.

Mehrere Kartenskizzen und eine Übersichtskarte ergänzen vorteilhaft den klaren und übersichtlichen Text des Buches. Peter Grubbe