Von René Drommert

Das Dritte Fernsehprogramm des Norddeutschen Rundfunks brachte in der vorigen Woche eine Sendung "Zwischen Prämie und Zensur" von Dietrich Kuhlbrodt, Untertitel: "Der Film in der Bundesrepublik." Dort wurde gegen mehrere Gremien polemisiert, die sich bei uns die kontinuierliche Förderung des Films zur Aufgabe gemacht haben: gegen die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK), gegen die Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW, eine Elf-Länder-Institution), gegen den Filmprämien- und Drehbuchprämienausschuß des Bundesinnenministeriums und gegen den Interministeriellen Ausschuß in Bonn (Leitung: Dr. Herbert Leitreiter).

Die Sendung fordert zum Widerspruch heraus, und ihr wurde auch in einem unmittelbar sich anschließenden Fernsehgespräch widersprochen.

Kritik, ein heilsames Regulativ demokratischer Gesellschaftsordnung, müssen sich alle Institutionen gefallen lassen. Aber die kritischen Äußerungen der "Opposition" gegen diese staatlichen Einrichtungen zur Förderung des guten Films (nur die FSK ist nicht staatlich) werden oft unzulässig verallgemeinert und erstarren mehr und mehr in Schablonen. So werden zum Beispiel in den polemischen Ergüssen gegen die FBW seit Jahren mit Vorliebe auch dieselben alten Beispiele aufgetischt.

Seit Jahren heißt ein angeblicher Sündenfall der FBW "Notizen aus dem Altmühltal", und er wird der FBW von ihren Gegnern mit den nahezu gleichen Argumenten immer wieder unter die Nase gerieben. Ist es da verwunderlich, daß die "Notizen zum Altmühltal" auch in Kuhlbrodts Sendung wiederkamen mit einem (glänzend gewählten) Ausschnitt und ausgiebigem Kommentar?

Das Beispiel ist, immer wieder zitiert, nunmehr wichtig genug, um auch von der anderen, der FBW-Seite (die hier die meine ist), aufgegriffen und erklärt zu werden. Da der Altmühltal-Interpret in Kuhlbrodts Sendung ein kundiger und gescheiter Kritiker war, muß ich die Fehldeutung dieses FBW-Falles für ein kapitales Mißverständnis halten. Ich versuche, es aufzuklären im Glauben, daß es auch in der Bundesrepublik noch Möglichkeiten der Kommunikation zwischen verschiedenen Lagern geben muß.

Der Film, hergestellt von Strobel und Tichawsky, habe zunächst, so hieß es, in beiden FBW-Ausschüssen, im Bewertungsausschuß und im Hauptausschuß (der Berufungsinstanz), keins der beiden steuerermäßigenden Prädikate ("wertvoll" oder "besonders wertvoll") erhalten. Erst nach einer Klage vor dem Verwaltungsgericht und nachdem der Film zur neuerlichen Begutachtung an die FBW zurückverwiesen worden war, habe er ein Prädikat erhalten.