Das schwere Brandunglück in Kap Kennedy, das innerhalb von zwölf Sekunden drei der besten amerikanischen Astronauten aus dem Leben riß, hat die USA im Wettlauf zum Mond um mehrere Monate – vielleicht sogar um ein ganzes Jahr zurückgeworfen.

In drei Wochen sollte das erste Apollo-Raumschiff zu einem 14tägigen Dauerflug um die Erde starten. Bei einem simulierten Start wurde am Freitagabend durch einen Feuersturm in der mit reinem Sauerstoff gefüllten Kabine die Einrichtung des Raumschiffes völlig zerstört. Erst vier Stunden nach dem Brand konnten Rettungstrupps die verkohlten Leichen der Astronauten Virgil Grissom, Edward White und Roger Chaffee bergen.

Diese Mannschaft repräsentierte drei verschiedene Generationen der amerikanischen Raumfahrerelite. Der 40jährige Kommandant Grissom stammte noch aus der Gruppe der ersten sieben Mercury-Astronauten; er hatte zwei Raumflüge hinter sich, bei denen er kaltblütig gefährliche Situationen gemeistert hatte. Der 36jährige Oberstleutnant White hatte als erster Amerikaner einen Spaziergang im All absolviert; der 31jährige Korvettenkapitän Chaffee, ein Neuling noch, zählte zu jenen Astronauten, für die Raumfahrt bereits ein Job geworden ist und die sich für den Mond selber gar nicht mehr interessieren.

Präsident Johnson erfuhr von dem Unglück, als er gerade im Weißen Haus mit vielen Diplomaten und einigen Astronauten auf die Unterzeichnung des Weltraum Vertrages anstieß. Kein Ereignis hat das amerikanische Volk seit der Ermordung Kennedys so ergriffen wie diese erste Katastrophe der Raumfahrt. (Gerüchte über tödliche Unfälle bei sowjetischen Versuchen wurden bisher nie bestätigt.)

Fünfzehn Sachverständige sollen nun die Frage beantworten, wie sich das Unglück ausgerechnet auf der Rampe und auf der Spitze einer nicht startklaren Rakete ereignen konnte. Vermutlich hat ein elektrischer Funke, vielleicht aus der Fernsehkamera, oder durch Reibung der Nylon-Raumanzüge entstanden, oder ein Kurzschluß die Explosion ausgelöst. Die Raumfahrtbehörde NASA hatte schon vor drei Jahren gewarnt, daß eine reine Sauerstoffatmosphäre in den Raumkapseln gefährlich sei, weil Leichtmetalle und auch in der Luft schwer brennbare Kunststoffe in reinem Sauerstoff stürmisch brennen.

Doch dieses Risiko nahmen die Amerikaner bewußt auf sich, weil sie wegen des verringerten Kapseldrucks und des Verzichts auf eine Inertgasbeimischung das Raumfahrzeug um mehrere hundert Kilogramm erleichtern konnten.

Die Sowjets, die über Raketen mit weit größerer Schubkraft verfügen, füllten ihre Raumkapseln mit einem Zweigasgemisch, das ungefähr der Atemluft auf der Erde gleicht.