In Spanien entfalten sich neben den Camereros, Toreros und Extranjeros die Owiebilljos.

Diese Owiebilljos, die der Kaste der Extranjeros angehören, entstammen dem Sprachraum der touro-germanischen Nomadenvölker. Zu erkennen sind sie daran, daß sie vor Schaufenstern wie angewurzelt stehen bleiben und vor Speisekarten die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, um etwas auszurufen, was sich auf Spanisch wie "O wie billjo!" anhört. Eine Tortella de patata – o wie billig! Ein Filete de Solomillo – owiebilljo! Tischtücher aus Salamanca, Marzipan und Halsschmuck aus Toledo, Artischocken, Hummern, Kichererbsen, Oliven – ooch wie billj ...! Teppiche aus Alpujarra, gestern noch owiebilljo, heute schon owieteurio ...! Denn die Owiebilljos haben Alpujarrateppiche von tausend Peseten allmählich auf zweitausend hochgejubelt, und es ist kein Ende abzusehen. Denn die nachdrängenden Owiebilljos umjubeln den Zweitausender so lange, bis er als Dreitausender im Wunderland des Owiebilljomarktes ankommen wird.

Die russischen Matrosen nannten die Engländer früher einfach Assejs, weil die britischen Seekollegen ihre wortkargen Reden mit "I say" anfingen und unterbrachen. Assej ist ein ausgezeichneter Spitzname, mit dem man nicht in des Teufels Küche kommen kann. Einem Typ mit dem Spitznamen Owiebilljo kann es hingegen passieren, daß er gezwungen wird, sich in einen Owieteurjo zu verwandeln, wenn er sein O wie billj! lange und aufdringlich genug in allen Gassen herumtrompetet hat. Denn das Preistäfelchen, das einer Sequenz von Owiebilljo-Trillern nicht wie eine Lerche nachstiege, müßte erst geschaffen werden.

Als kleiner Junge habe ich miterlebt, wie Sommerfrischler Mastgänse und frische Bauernbutter in den ländlichen Idyllen mit Owiebilljlustschreien in die Höhe jubelten. Sie lagen in den Gänseställen der reinen, aber gelehrigen Toren einer damals noch unschlüssigen Grünen Front auf den Knien und klagten ihre städtische Heimat der Teuerung an, während sie Owiebillj! schluchzten. Diese Vorfahren unserer heutigen Owiebilljos, die zu ihrer Zeit in das ländliche Bayern, Schwaben oder Westfalen einbrachen wie ihre Enkel heute in Spanien oder Sizilien, legten sommerfrischenauf sommerfrischenab die Grundsteine zu den Preisen, die heute niemand mehr den Schrei Owiebillj entlocken. Ich erinnere mich genau, daß ein Täubchen, gerupft und ausgenommen, vor dem Ersten Weltkrieg fünfunddreißig Pfennig kostete, wenigstens in Niederbayern. Nach dem Einbruch der ersten Owiebillj-Wanderheuschrecken, die der großen Heuschreckenplage der motorisierten Owiebilljos voranging, stiegen gerupfte Täubchen für Eingeborene auf 40 Pfennig, was eine Sünde war, und für reinrassige Owiebilljos auf 50, was zum Himmel schrie, weil es die Sittenreinheit der Bauern und das Existenzminimum der umliegenden Städter in Gefahr brachte.

Mit den Bayern leben – das war damals halb so schlimm wie in Bayern mit den Preisen leben, die den Owiebilljos auf den Fersen folgten. Selbst das Anziehen der Täubchenpreise auf 52 Pfennig ließ die Owiebilljobewegung nicht zur Ruhe kommen. Inzwischen sind die Urenkel der Owiebilljos, denen die Alarmschreie über zu niedere Preise auf ländlichen Menükarten allmählich in der Kehle stecken bleiben, auf der motorisierten Suche nach dem letzten Dorfidyll.

Eugen Skasa-Weiß

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