Trotz ihrer Flugstaffetten an den Indischen Ozean, ihrer Non-Stop-Flüge nach Mallorca und Teneriffa, ihrer Kreuzfahrtausflüge zu allen Attraktionen im Mittelmeer und ihrer Dauer-Luftsprünge an die sozialistischen Sonnenstrände bleibt die Eisenbahn bei den beiden Riesen im deutschen Fernwehgeschäft, Touropa und Scharnow, die Hauptstütze der Buchhalter. Seit Dezember 1966 addieren beide Unternehmen ihre Kunden gemeinsam. Die Bilanz ist imponierend: 820 000 Reiseteilnehmer, davon 570 000 Eisenbahngäste. Ferner wurden 165 000 Fluggäste befördert, 11 000 Schiffspassagen verkauft und 55 000 Ferienwohnungen vermietet. Im "Incoming-Geschäft" (Vermittlung von Reisen an Ausländer) zählte man 28 000 Kunden.

Nach dem Motto "Vereint reisen – getrennt schlafen" wollen beide Unternehmen auch im kommenden Jahr neue Umsatzrekorde erzielen. (1966: 320 Millionen Mark.) Man benutzt größtenteils gemeinsame Züge und Flugzeuge, betreut aber an Ort und Stelle eigene Kunden mit eigenem Personal. Beide Chefs erklärten kürzlich in Frankfurt, daß sie einen gesunden Leistungswettbewerb zwischen beiden Häusern schon im Interesse ihrer Kunden erhalten wollten. Die heute schon erkennbare unterschiedliche Aufgabenstellung beider Häuser solle künftig noch stärker betont werden. So wird Scharnow das Geschäft mit Ferienwohnungen weiter ausbauen, während Touropa weiterhin bei Kreuzfahrten dominiert.

Wie stark man sich im Schienentourismus gemeinsam engagiert, geht aus der Ankündigung hervor, daß man ein Drittel des Liegewagenparks austauschen werde. 40 neue "Superwagen" werden in diesem Jahr auf die Strecken geschickt (Kostenpunkt pro Stück 300 000 Mark). Noch mehr Wert soll auf perfekten Abteil-Service gelegt werden.

Die kürzlich vorgelegten Bahnreiseprospekte für 1967 (Touropa 114 Seiten, Scharnow 132 Seiten) enthalten Bewährtes. 60 Ziele wurden gestrichen, 40 neue kamen hinzu. Die Preise bleiben größtenteils, wie der Vergleich mit den Prospekten des Vorjahres bestätigt, weitgehend stabil. Bemerkenswert: Eine 14-Tage-Schwarzwaldreise mit Teilpension für 168 Mark ab Frankfurt (Scharnow) oder eine Fahrt ins Salzkammergut, eine Woche ab Frankfurt 142 Mark (Touropa). Weinseligkeit an Rhein und Mosel ist bei Teilpension schon für 134 Mark ab Hamburg zu haben. Seiffert (Scharnow): "Dank unserer guten Zusammenarbeit mit vielen Fremdenverkehrsorten konnten wir zahlreiche Urlaubsgemeinden für eine Aktion "preiswerter Urlaub" gewinnen.

Touropa wird 1967 erstmals deutsche Seebäder (Westerland und Norderney) anfahren. Neu in diesem Programm sind auch drei Ziele in der Schweiz, von denen Spiez am Thuner See mit 181 Mark in der Hauptsaison für eine Woche Übernachtung mit Frühstück als besonders preiswert erscheint.

Beide Unternehmen fördern in verstärktem Maße die Familienferien. Scharnow erweitert dieses Spezialprogramm auf acht "kinderfreundliche Urlaubsorte". Sie liegen in Deutschland und Österreich, haben laut Prospektversprechen stark ermäßigte Preise und attraktive Sonderveranstaltungen wie Ponyreiten, Kutschfahrten, Schwimmveranstaltungen und Kinderfeste. Auf Wunsch stehen Sonderabteile für "Mutter und Kind" bereit. Sieben Tage in Sonthofen kosten bei Unterkunft mit Frühstück und sieben Wertmarken für eine Hauptmahlzeit ab Frankfurt in der Hauptsaison: 138 Mark für Erwachsene, 104 Mark für Kinder von sechs bis zehn Jahren und 97 Mark für Kinder von vier bis sechs Jahren. Kinder bis zu vier Jahren reisen umsonst. Die Kosten für ihre Unterkunft und Verpflegung sind an Ort und Stelle auszuhandeln.

Jungen Leuten bietet Touropa "Top"-Reisen an. In diesem Programm kostet eine Woche in Finale Ligure in der Hauptsaison 320 Mark ab Frankfurt. Für Erwachsene wird dieser Riviera-Badeort übrigens schon für 232 Mark verkauft. Hier sind junge Leute mit einem Jugendreisedienst gewiß preiswerter bedient. Empfehlenswerter erscheint da schon das Programm Ferien auf dem Bauernhof, das zu minimalen Preisen garantiert "echtes Landleben" verspricht.