Was die Stukas Mirschall Kesselrings und die Bomber Mussolinis im Zweiten Weltkrieg nicht erzwingen konnten, scheint jetzt der britischen Labourregierung mit einem Federstrich zu gelingen: die britischen Soldaten von der Festungsinsel Malta zu vertreiben. Borg Olivier, Regierungschef des sei 1964 unabhängigen Mittelmeer-Staates, hat am Freitag ultimativ den Abzug aller britischen Streitkräfte verlangt, weil London das Verteidigungsbündnis gebrochen habe. Trotz der Proteste der maltesischen Regierung hatte die Regierung Wilson beschlossen, Ende Mai die 4300 Mann starken Truppen auf Malta um zwei Drittel zu kürzen. Von 1970 an soll nur noch ein Flugzeuggeschwader der RAF auf der Insel bleiben

England würde durch den Abbau seiner Garnison jährlich über 67 Millionen einsparen. Die Malteser, die ihre Wirtschaft noch nicht so risch auf Tourismus und Industrie umstellen können und ihren hohen Lebensstandard nicht opfern wollen, befürchten, daß nach dem Abzug der Truppen die ZaH der Arbeitslosen von jetzt 7000 auf 13 000 anschwillt, das sind 18 Prozent der Arbeitnehmer.

Die Bevölkerung von Malta, die 1945 wegen ihrer Standhaftigkeit im Kriege mit dem begehrten Georgskreuz ausgezeichnet wurde, fühlt sich schmählich verraten. Commonwealthminister Bowden goß noch Öl ins Feuei, als er das maltesische Ultimatum mit der Drohung beantwortete, die großzügige Finanzhilfe für Malta (pro Kopf im Jahr fast 200 Mark) ebenfalls einzustellen.

Die britischen Konservativen, unterstützt von Luftmarschällen, Generälen und Admirälen, äußerten sich empört über diese Behandlung eines treuen Verbündeten. Eine überparteiliche Delegation des Unterhauses flog sofort nach Malta, um sich über die Lage zu orientieren. Einige britische Politiker malen bereits ein Gespenst an die Wand: Malta werde seine Stützpunkte den Sowjets oder Präsident Nasser anbieten.