DIE ZEIT

Ulbricht isoliert sich

Ob die chemische Formel für Trinitrotoluol in Bonn und Leipzig das gleiche bedeute, fragte Professor Girnus auf einer SED-Kreiskonferenz in der Ostberliner Humboldt-Universität.

Ein Anfang ist gemacht

Es gibt merkwürdige Widersprüche in der Politik: Adam Rapacki, Polens Außenminister, der jenem Plan seinen Namen gab, welcher seit einem Jahrzehnt die Entnuklearisierung Zentraleuropas fordert, um auf diese Weise zur Entspannung zu gelangen, ist nun, da endlich die Bundesrepublik auf Entspannung eingeschwenkt ist, härter denn je.

Wieder Schüsse an der Mauer

In der letzten Ausgabe der ZEIT äußerten wir dennoch die Hoffnung, daß an der Berliner Mauer nicht mehr so brutal von der Maschinenpistole Gebrauch gemacht würde.

Otto Dibelius

Am Montag forderte Berlins Bischof Kurt Scharf die Pfarrer auf, seinen erkrankten Amtsvorgänger während der Gottesdienste zum kommenden Sonntag in das Fürbitten-Gebet einzuschließen.

Genossin "First Lady"

Sechsundzwanzig Jahre lang hat sie im Schatten gestanden – als Ehefrau, die politisch niemanden interessierte. Und wenn von ihr die Rede war, dann nur im Jargon des Klatsches: "Schauspielerin ist die gewesen, damals in Schanghai in den dreißiger Jahren.

Selbstmord der FDP?

In Bayern, wo die Freien Demokraten seit der letzten Wahl nicht mehr im Landtag verbeten sind, machte jetzt der Bezirksvorsitzende Widmann den Vorschlag, mit den anderen Verlierern – der Gesamtdeutschen Partei und der Bayernpartei – ein Bündnis einzugehen.

Podgorny und der Papst

Zum erstenmal in fünfzig Jahren: Vatikan-Visite eines sowjetischen Staatschefs

ZEITSPIEGEL

Der "Bund der Vertriebenen" (BdV) in Bonn protestierte scharf gegen eine Ausstellung des Gesamtdeutschen Ministeriums im Bonner "Haus Einheit und Freiheit", die dem Leben und Wirken der heiligen Hedwig gewidmet ist.

"Ja – aber" zur Atomsperre

Kein außenpolitisches Thema wird gegenwärtig in Bonn so leidenschaftlich diskutiert wie der Atomsperrvertrag. In vertraulichen sowjetisch-amerikanischen Verhandlungen ist der Entwurf des Abkommens fast bis zur Unterschriftsreife gediehen; nur die Kontrollklausel fehlt noch.

Ohne Kopf und Kompaß

Die Christlich-Demokratische Union ist seit vielen Jahren keine Partei mehr. Es fehlt ihr in steigendem Maße an Kraft, die verschiedenen Gruppen in der Union zu integrieren.

Fallgrube Vietnam

Das Ziel der amerikanischen Südvietnam-Politik war es, wie Eisenhower an Diem geschrieben hatte, "alle diejenigen abzuschrecken, die versucht sein könnten, Ihrem freien Volk eine fremde Ideologie aufzuzwingen".

Astronauten-Tod

Über das Sprechfunkgerät hörte der Mechaniker aus der Raumkapsel des Versuchsgeländes von Kap Kennedy den Aufschrei "Feuer in der Kapsel".

Mit schweren Säbeln gegen "Alte Herren"

Student sein, wenn die Großen Koalitionen blühen, und sich obendrein mit Herz und Hand der Linken verschrieben zu haben: das ist ein Dilemma, aus dem der Sozialdemokratische Hochschulbund auf einer außerordentlichen Delegiertenversammlung in Duisburg-Wedau einen Ausweg suchte.

Griff in das Staatssäckel

Noch kurz vor der ersten Lesung im Bundestag gab es in dieser Woche hinter den Kulissen heftige Auseinandersetzungen über den Entwurf des Parteiengesetzes, den alle drei Fraktionen gemeinsam eingebracht haben.

Ein Greis bremst den Europa-Zug

Emanuel Shinwell, einer der Rüstigsten unter den Greisen in der europäischen Politik, hat noch einmal einen Versuch unternommen, Englands EWG-Beitritt zu blockieren.

Wolf gang Ebert:: Orden für Wunderkinder

In diesem Zusammenhang werden die Vorbehalte, die der Düsseldorfer Verfassungsschutz gegen die Verleihung des französischen Ordens an die 76jährige Pazifistin hatte, meist falsch dargestellt.

Fürst und Funkmann

So etwas hatten die Mitglieder des Westdeutschen Rundfunks noch nicht erlebt: In einer Presseerklärung gab der Intendant des Hauses, Klaus von Bismarck, bekannt, er habe einen leitenden Redakteur "vorläufig von der Verantwortung" entbunden.

Von ZEIT zu ZEIT

Beim Besuch des rumänischen Außenministers Corneliu Manescu in Bonn wurden diplomatische Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland .

Ky bootet Rivalen aus

Vizemarschall Ky, der südvietnamesische Regierungschef, hat sich mit List und Geschick eines gefährlichen Rivalen entledigt: Verteidigungsminister General Nguyen Huu Co, stellvertretender Ministerpräsident und dritter Mann im Staate, mußte abtreten.

Namen der Woche

D. Dr. Otto Dibelius, Alt-Bischof von Berlin-Brandenburg und von 1949 bis 1963 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands, unermüdlicher Streiter wider Nazis und Kommunisten, starb am Dienstag im Alter von 86 Jahren an einer Herzschwäche infolge einer schweren Gesichtsrose.

Ein Ultimatum an England

Was die Stukas Mirschall Kesselrings und die Bomber Mussolinis im Zweiten Weltkrieg nicht erzwingen konnten, scheint jetzt der britischen Labourregierung mit einem Federstrich zu gelingen: die britischen Soldaten von der Festungsinsel Malta zu vertreiben.

Mao ohne Macht?

Die Opposition gegen Mao Tse-tung hat keinen Kopf, keinen Führer, keinen Mann mit Charisma. Das ist in diesen Tagen, da das Präriefeuer durchs Land züngelt, ein großer Nachteil, der von entscheidender Bedeutung sein kann.

Brillanten-Schneider

Er trug glitzernde Ringe an den Fingern, die Kollegen nannten ihn "Brillanten-Schneider". Aber Karl Schneider war kein kollegialer Typ.

Mit 25 Jahren ganz oben

Verzetteln Sie sich nicht", pflegt er seine Kunden zu belehren. "Sammeln Sie Alt-Bayern oder meinetwegen Afghanistan, das aber richtig.

Zwischen Nabel und Kinn

Die Dame am Zeitungskiosk des großen Münchener Caféhauses verkauft ihn gerne, aber nur in braunes Packpapier eingeschlagen. Auch in christlichen oder juristischen Spezialbuchhandlungen ist er zu haben: unter dem Ladentisch.

Erika gab Liebe und Preludin

Die Zeitungen schrieben vom "Schwarzen Peter"...............................................................................

Wo tanzt "Mizzy"?

Die Prominenz von Bonn und Bad Godesberg bangt um ihre gesellschaftliche Exklusivität. Denn in unmittelbarer Nachbarschaft des vornehmen "Internationalen Clubs La Redoute", dem Vereinslokal der rheinischen High Society aus Politik, Wirtschaft, Adel und Diplomatie, hat sich ein "Sexlokal" etabliert.

Rund um St. Pauli: Der Gasmann

Heinrich Feldkamp ist seit Kriegsende Gasableser und wohnt in der Hein-Hoyer-Straße 23 I. Am 11. 4. 1966 betrat er die Wohnung von Frau F.

Kein Goldenes Zeitalter

Barbara Tuchman hat vor einigen Jahren ein Buch über den August 1914 veröffentlicht, das viele alte, zum Teil emotional begründete, von Zeit und Wissenschaft längst überholte Fehler enthielt, gleichwohl aber, weil es anschaulich und geschickt geschrieben war, im allgemeinen sehr gut aufgenommen wurde.

Chinas Grenzen

Dieses Buch eines jungen politischen Journalisten macht dem Leser eines deutlich: Die Auseinandersetzung in Südostasien, der Krieg in Vietnam ist kein Kampf zwischen zwei Doktrinen oder Systemen, sondern sie ist ein Kampf einer Großmacht um die Ausdehnung ihres politischen, militärischen und wirtschaftlichen Einflusses, um die Erweiterung ihrer politischen Grenzen.

Hat der Kommunismus gesiegt?

Boris Meißner (Herausgeber): Sowjetgesellschaft im Wandel – Rußlands Weg zur Industriegesellschaft, mit Beiträgen von K. H. Ruffmann, B.

Typisch deutsch?

Ist die oft gerühmte deutsche Gründlichkeit auch eine Flucht ins Detail und ein Zeichen von Unfähigkeit, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden? Ist die deutsche Ordnungsliebe nicht auch Ausdruck phantasieloser Rücksichtslosigkeit, wenn es um Menschen geht? Ist der ehemalige Offizier typisch, der zwei Jahre nach der Kapitulation mit Frau und Kind in einer holländischen Stadt auftauchte, um ihnen die Stätte seines Wirkens als Ortskommandant zu zeigen? Ist Mangel an Fingerspitzengefühl, das heißt an Einfühlungsvermögen, an Entgegenkommen, an Urbanität typisch? Immer gibt es in allen Kollektiven alle.

Eine tragische Moralistin

Sei es der schöngeistige Sozialdemokrat Carlo Schmid, der als Ordinarius für Politische Wissenschaft an der Frankfurter Universität bei der Interpretation der Werke Rosa Luxemburgs mit gehobener Stimme von der zarten und großartigen Frau sprach; sei es der liberal-konservative Politikwissenschaftler Michael Freund, der Rosa Luxemburg in seinem Sammelband "Der Liberalismus" berücksichtigte; seien es die sozialistischen Jugendlichen in einem Stadtteil Westberlins, die ihre "Falken"-Gruppe nach Rosa Luxemburg benannten; oder sei es der radikal-demokratische Poeta doctus Walter Jens, der wegen seines Fernsehdramas "Die rote Rosa" sowohl von der DDR-Presse als auch von manchen rechtsorientierten Zeitungen in der BRD kartätscht wurde: sie alle verneigen sich vor der Frau, die am 5.

Fleißarbeit mit Shakespeare

Der jüngste deutsche Versuch, diesen Dramenkoloß auf die Bühne zu bringen, greift bis zum Ausgangspunkt der neuen internationalen Shakespeare-Welle zurück.

Grausig und erhaben

Meyerowitz stammt aus Breslau, wurde hier 1913 geboren, kam als Vierzehnjähriger nach Berlin, studierte dort nach dem Abitur Musik, vor allem bei dem Schönberglehrer und -Schwager Alexander von Zemlinsky, ging 1933 nach Rom zu Ottorino Respighi.

Fernsehen:

Mir hat sie gefallen, Die Trennung, ein Film von Tom Toelle mit Joachim Ansorge und Cordula Trantow als Protagonisten. Gewiß, die Story schien auf den ersten Blick nicht eben ergiebig zu sein: Ein junger Mann springt über die Mauer, um nach fünf Jahren sein Mädchen wiederzusehen, aber die fünf Jahre waren zu lang, man hat sich entfremdet, es gibt nichts mehr zu sagen, Erinnerungen reichen nicht hin, "ich lebe hier gern", sagt das Mädchen, "es war nicht schön drüben", sagt der Student aus Rostock, "aber es war meine Heimat.

Peter Weiss’ politische Revue

Das neue Stück von Peter Weiss, "Der Gesang vom lusitanischen Popanz", ist nicht in Deutschland zum ersten Male gespielt worden – nicht in Westberlin wie die Moritat "Nacht mit Gästen" und das "Marat"-Schauspiel, nicht gleichzeitig in der Bundesrepublik und in der DDR wie "Die Ermittlung".

Das Glück, keine Schlitzaugen zu haben

Es geht hier nicht, mit aller Deutlichkeit sei es gesagt, um die Frage, ob dieser Fernau ein Nazi war oder nicht. Es geht nicht darum, einem heute Erfolgreichen nachzuweisen, daß er früher auf dem falschen Fuß Hurra geschrien hat (oder geschrieben).

Gewürzt mit einem Quentchen Sex

Eines kommt indes noch hinzu. Es ist nicht nur dieser läppische Schnick-Schnack, der erfreut. Erquickung strömt vor allem aus dem Born des Geschlechts.

Schule auf dem Bildschirm

Scharen von jüngeren und älteren Leuten mit dicken Aktenordnern unterm Arm und Taschen, in denen sich neben viel Papier auch wie in ihren Schultagen ein Butterbrot für die Pause befand, strebten am letzten Sonnabend in die sonst am Wochenende leerstehenden Gebäude des Berufsschulzentrums in der Luisenstraße in München.

Besuch des alten Herrn

Weil in England der Hauptdarsteller noch eine Fernsehrolle spielte, wurde in London die Theateraufführung verschoben, und aus der deutschen Premiere wurde eine Uraufführung.

Dürer macht’s möglich

Diese Ausstellung hat ihre Prätentionen. Nicht gerade in einem Vakuum der Kunst und Kunstdiskussion, aber unbeschwert vom Ruf einer Kunststadt präsentiert Nürnberg diese Ausstellung als ersten Teil eines Fünf-Jahres-Planes der Künste und Kunstförderung.

FILMTIPS

"Der Hausmeister" (The Caretaker), von Clive Donner. Der listenreiche Kampf des Tramps Davies um eine Schlafstatt unterm Dach der Brüder Aston und Mick.

Der angebliche Sündenfall

Das Dritte Fernsehprogramm des Norddeutschen Rundfunks brachte in der vorigen Woche eine Sendung "Zwischen Prämie und Zensur" von Dietrich Kuhlbrodt, Untertitel: "Der Film in der Bundesrepublik.

Alfred Mahlau

Wenn ein Künstler auf der Höhe seines Schaffens uns verläßt, so hat er es leichter, sich dem Gedächtnis der Nachwelt einzuprägen.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Dies geschieht heute: Auf den Planken vor den Neubauten, die errichtet werden über den Resten des Krieges, finden sich schwarze Kreuze, jedes ein vierfacher Galgen.

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