Man hatte sich daran gewohnt, die amerikanische Raumfahrt für zuverlässig zu halten. Zehn Jahre ihrer Geschichte, die das Bild der Welt veränderten, und bis auf einige "Pannen", denen sich die Astronauten gewachsen zeigten, war nichts passiert, was Besorgnisse gerechtfertigt hätte. Jetzt, in der Nacht zum Samstag, ist die Raketen-Besatzung, die ausgewählt war, die Reise zum Monde vorzubereiten, in ihrer "Apollo"-Kabine ums Leben gekommen: bei einer Übung für den Start, der erst am 21. Februar hatte stattfinden sollen.

Obwohl es sich um ein Manöver handelte, bei dem Komplikationen, Gefahren oder Sensationen anscheinend nicht zu erwarten waren, hat ein amerikanisches Fernseh-Team die drei. Männer gefilmt, wie sie sich für den Aufstieg zur Raketenrampe in Kap Kennedy bereit machten, und diese Aufnahmen, die dann mit Hilfe der Nachrichten-Satelliten übertragen wurden, haben wir in Deutschland sehen können.

Drei Männer in ihren Raumanzügen, winkend, mit gelösten, doch energischen Schritten. Voran schritt Oberstleutnant Grissom, ein "alter Hase", der schon an der ersten Serie der Raumfahrten beteiligt gewesen war. Dann Oberstleutnant White, der sich als erster Amerikaner außerhalb der Kabine frei im Räume bewegt hatte. Und dann Fregattenkapitän Chaffee, trotz seines voluminösen Titels der jüngste unter ihnen: der Unerfahrene. Es hätte sein erster Raumflug werden sollen.

Sein Schicksal hat die Menschen in aller Welt besonders angerührt. Sein Mut war erprobt; sonst hätte er sich nicht zu dem großen Abenteuer unserer Epoche gemeldet. Seine Fähigkeiten waren es auch; sonst wäre er nicht dafür ausgewählt worden, Erfahrungen für den Mondflug zu sammeln.

Die anderen waren seine Vorgänger. Jetzt hat Chaffee ihnen nicht nachgehen dürfen im außergewöhnlichen Erlebnis außerhalb unserer Erde, von dem seine Kameraden bereits erfahren hatten, daß es voller übermenschlicher Schönheit ist. Er hat nur mitgehen, müssen in einen Tod, der – geschah er auch einige Raketen-Stockwerke über dem Erdboden – doch ziemlich banal erscheint in dieser unserer an Explosionsflammen gewöhnten Zeit.

Was das Unglück von Kap Kennedy für die Raumfahrt bedeutet, steht auf einem anderen Blatt. Dies hier ist nur als Nachruf auf einen Helden gedacht, der keiner sein durfte.