Ein Band Gedichte bleibt noch zu registrieren, „Suite Nr. 1“ geheißen. Von ihnen ist hier nicht die Rede.

Das Geheimnis des Erfolgs? Herbigs Klappentext zu den „Jungen Männern“ belehrt uns: „Was die Bücher von Joachim Fernau so erfolgreich machte, ist sein historischer Sinn, sein richterlicher Sinn, seine Kunst, die Vergangenheit zu deuten.“

Eine noble Trias, wer hätte sie nicht gern: historischer Sinn; richterlicher Sinn; Kunst der Deutung des Vergangenen. Man denkt an Ranke, denkt an Burckhardt, denkt an Mommsen. Das aber ist ein Mißverständnis.

Der Sieg ist wirklich ganz nahe

Es gab einen SS-Kriegsberichterstatter in Deutschland, und der hieß – aber wir wollen uns allererst der Sachlage erinnern.

Es war September 1944. Man war Angehöriger der Genesenden-Kompanie Panzer-Ers. Abt. 4, Wien. Der Krieg ging dem Ende zu, einem furchtbaren Ende mit furchtbaren Schritten, ein jeder sah es, erlebte es, erlitt es, begriff es. Die Russen standen in Polen, vor Ostpreußen, die Engländer marschierten in Italien nordwärts, auf Florenz zu, an der Westfront hat die Invasion den Weg zum Rhein geöffnet – und die „Heimat“, die Heimat liegt unter Bombenteppichen und zittert. Zittert vor dem, was ist, zittert vor dem, was kommt, hört zitternd die Nachrichten der „Feindsender“ (ach, Beethovens 5., welchen abenteuerlichen Sinn sollte das „Schicksalsmotiv“ einmal bekommen, durchs Radio an die Pforte klopfend, man vergißt das nie in seiner morsenden Gewalt, und im Konzertsaal klingt es heute fast niedlich) und liest morgens an den Anschlagsäulen die rotgeränderten Bekanntmachungen vollstreckter Todesurteile an Defaitisten und Verrätern, die Gehörtes weitergesagt hatten.

Auschwitz und Bergen-Belsen – das wußte man wohl nicht (obschon es immer rätselhaft bleiben wird, warum man es nicht wußte), aber wenige Wochen zuvor war eine Bombe explodiert in der „Wolfsschanze“, sie traf nicht, den sie treffen sollte, aber Tausende wurden jetzt gehetzt, ergriffen und eingekerkert, verhört, gefoltert, gemartert, umgebracht.