Vizemarschall Ky, der südvietnamesische Regierungschef, hat sich mit List und Geschick eines gefährlichen Rivalen entledigt: Verteidigungsminister General Nguyen Huu Co, stellvertretender Ministerpräsident und dritter Mann im Staate, mußte abtreten. Er wurde vor die Wahl gestellt, entweder einen Botschafterposten anzunehmen – eventuell an der Elfenbeinküste –, oder sich wegen Korruption vor einem Kriegsgericht zu verantworten.

Co war der einzige Vertreter des Südens in der Führungsspitze. Alle Schlüsselpositionen sind in den Händen von Emigranten, aus Nord- und Zentralvietnam, woher auch Ky stammt. Vor einigen Monaten hatten die Spannungen zwischen den Nord- und Südleuten bereits den Rücktritt einiger ziviler Minister heraufbeschworen.

Ky wurde der Lage diesmal schnell Herr, weil General Co wenig populär war. Das Volk glaubte an die Korruptionsgeschichten, die ihm und seiner Frau seit langem anhingen. Stärker war sein Anhang in der Armee. Mehrere Stabsoffiziere im Mekong-Delta, wo die Entscheidung im Kampf gegen die Vietcongs fallen muß, wurden verhaftet.

Zum Nachfolger Cos bestimmte das Direktorium Generalstabschef Cao van Vien, der als Mann des Südens gilt, obwohl er in Laos geboren wurde. Als einer der wenigen Offiziere, die im Kampf verwundet wurden, genießt er großen Respekt,

Vien und Staatschef General Thieu sind die letzten, die noch von der Gruppe der ehemals zwölf Generale, die im November 1963 den Diktator Diem stürzte, an der Macht geblieben sind.