Von Werner Höfer

Student sein, wenn die Großen Koalitionen blühen, und sich obendrein mit Herz und Hand der Linken verschrieben zu haben: das ist ein Dilemma, aus dem der Sozialdemokratische Hochschulbund auf einer außerordentlichen Delegiertenversammlung in Duisburg-Wedau einen Ausweg suchte. Mit dem unreflektierten Elan, den politisch engagierte Jung-Intellektuelle sich schuldig sind, opponierten die Vertreter aus dem Bund und aus Berlin gegen das SPD-Establishment. Die "Alten Herren" stellten sich zwar, aber der abgeklärte Carlo Schmid und der temperamentvollere Gerhard Jahn hatten einen schweren Stand.

Ein stiller, in sich gekehrter Schlesier, den es nach Westfalen verschlagen hat, Christoph Zöpel, ist der Vorsitzende des Sozialdemokratischen Hochschulbundes.

"Haben Sie sich bereits entschlossen, Politiker zu werden?"

Mit der Bedachtsamkeit eines Nachwuchs-Politikers verweigert Christoph Zöpel eine klare Antwort; zumindest läßt er die Möglichkeit offen, sich einer akademischen Tätigkeit zuwenden zu wollen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit aber werde er auf dem nächsten Delegiertentag des Sozialdemokratischen Hochschulbundes sein Amt zur Verfügung stellen, das ihm ohnehin zunächst besonderer Umstände halber zugefallen war: Als Stellvertreter rückte er an die Spitze nach, als der Erste Vorsitzende sich selber disqualifiziert hatte, weil er der SPD "faschistische Tendenzen" nachsagte.

Die Kritik, die Christoph Zöpel und seine Freunde heute an der SPD üben, ist auch nicht gerade zimperlich. Der SHB-Vorsitzende gibt zwar zu, daß – beispielsweise – die jüngste Aktivität in der deutschen Ostpolitik wahrscheinlich durch die Große Koalition sich schneller und breiter entfalten konnte. Dieser Preis sei aber zu hoch, um die Gesichts- und Gewichtsverluste auf der innenpolitischen und innerparteilichen Szene hinnehmen zu können:

"Eine parlamentarische Demokratie ohne starke, funktionierende Opposition halten wir für ein Unglück, erst recht in einem demokratischen Junggebilde, wie es die Bundesrepublik darstellt. Uns scheint, daß die SPD das Streben nach politischer Effektivität übertrieben hat zu Lasten der demokratischen Auseinandersetzung."