Zwei der größten amerikanischen Mineralölunternehmen haben die Teilung ihrer Tochtergesellschaft in Europa beschlossen. Die Caltex – 1936 von dem drittgrößten US-Ölunternehmen Texaco Inc. und der an sechster Stelle stehenden Standard Oil of California gegründet wird zwischen beiden Muttergesellschaften nach einem noch nicht bekanntgegebenen Schlüssel aufgeteilt. Damit haben sich seit Wochen umherschwirrende Gerüchte bestätigt (siehe DIE ZEIT vom 6. 1. 1967).

Von der Aufteilung wird ein Anlagevermögen von schätzungsweise zwei Milliarden Mark betroffen. Dazu gehören fünf Raffinerien in der Bundesrepublik, Italien, England, Irland und den Niederlanden, außerdem einige tausend Tankstellen, Beteiligungen an Vertriebs- und Transportunternehmen sowie an einer Pipeline. 1965 erzielte die Caltex, die in 30 Ländern, darunter in Europa in Frankreich, Spanien und der Türkei, weiter bestehen bleiben soll, bei einem Umsatz von 1,83 Milliarden Dollar einen Reingewinn von 33,9 Millionen Dollar.

Die Muttergesellschaften gehören zu den Industriegiganten in den Vereinigten Staaten. Mit einem Umsatz (1965) von 5,34 Milliarden Dollar und einem Reingewinn von 636 Millionen Dollar steht die Texaco, die 57 000 Menschen beschäftigt, an achter Stelle der amerikanischen Großunternehmen, während die Standard Oil of California mit 44 000 Beschäftigten, 4,16 Milliarden Dollar Umsatz, und 391 Millionen Dollar Reingewinn auf dem 17. Platz folgt.

Die offizielle Begründung der Aufteilung, man wolle veränderten Wettbewerbsverhältnissen Rechnung tragen, klingt wenig glaubwürdig, nachdem zum Beispiel erst vor wenigen Jahren mit einem Aufwand von rund 250 Millionen Mark in Raunheim bei Frankfurt eine neue Raffinerie errichtet wurde, die im Zeitraum 1966/67 mit weiteren 200 Millionen Mark beträchtlich ausgebaut werden sollte. Vielmehr scheinen Unstimmigkeiten zwischen den Muttergesellschaften den Teilungsbeschluß ebenso gefördert zu haben wie Gerüchte, gegen die Caltex sei eine Antitrustuntersuchung eingeleitet worden.

Es wird angenommen, daß in England und Skandinavien – einem alten Reservoir der Texaco – die texanische Gesellschaft das Übergewicht bekommen wird, zumal sie an der englischen Tochtergesellschaft Regent direkt und indirekt mit 75 Prozent beteiligt ist. Unterrichtete Kreise rechnen dagegen, daß die Bundesrepublik als einer der zukunftsträchtigsten Märkte in Europa zwischen beiden Gesellschaften aufgeteilt wird. Dabei könnte sich die Texaco auf ihre jüngste Erwerbung, die Deutsche Erdöl AG sowie das DEA- und Rheinpreußen-Tankstellennetz stützen, während die California die Raunheimer Raffinerie und das Netz der 1300 Caltex-Tankstellen übernehmen könnte. mh