R. Z.,. Bonn, im Februar

Was der FDP in Hessen und in Bayern passiert ist, weckt den Verdacht, daß dort einige ihrer Politiker dem Tod ihrer Partei durch Selbstmord zuvorkommen wollen.

In Bayern, wo die Freien Demokraten seit der letzten Wahl nicht mehr im Landtag verbeten sind, machte jetzt der Bezirksvorsitzende Widmann den Vorschlag, mit den anderen Verlierern – der Gesamtdeutschen Partei und der Bayernpartei – ein Bündnis einzugehen. Dieser Plan wird sicherlich scheitern, aber schon der Gedanke, daß die FDP in einem weißblauen Heimatchor mit nationalistischen Obertönen aufgehen soll, ist ziemlich erschreckend.

In Hessen indes begab sich der FDP-Fraktionsvorsitzende Rodemer in Idealkonkurrenz zur NPD. Er versuchte einen rechtskonservativen Kurs zu steuern. Sogar die Sitzordnung im Parlament war nicht mehr nach seinem Gusto. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten die Freien Demokraten rechts von der NPD sitzen müssen. Die Empörung in der hessischen FDP, vor allem bei den Jungdemokraten, ist beträchtlich. Sie werfen Rodemer vor, er wolle die FDP zu einer Partei der "nationalen Wähler des Raumes Wildungen" degenerieren.

Was die bayerischen und hessischen Pläneschmiede verbindet, scheint die gemeinsame Abneigung gegen den modernen Liberalismus zu sein. Es ist ihnen offenbar unmöglich zu begreifen, daß die FDP weder im bayerischen Schmollwinkel noch rechts von der NPD eine Chance hat, die Große Koalition zu überleben.