Nach zwei großen Enttäuschungen in den letzten vier Jahren haben die Hoffnungen der Exobiologen, doch noch Leben auf dem Mars zu entdecken, durch eine aufsehenerregende Beobachtung eines französischen Astronomen-Ehepaares neuen Auftrieb erhalten. Pierre und Janine Cannes fanden am Observatoire de Haute-Provence in der Marsatmosphäre eine tausendfach höhere Wasserstoffkonzentration als in der irdischen Luft.

Den lebensnotwendigen Wasserstoff in so reichlicher Menge haben die Wissenschaftler auf dem Mars nicht mehr erwartet. Spektrographische Messungen nach konventionellen Methoden zeigten nämlich im Jahre 1963, daß die Marsatmosphäre 50mal dünner als die Erdatmosphäre ist. Die schwache Anziehungskraft des Mars konnte also, so schloß man damals, das leichteste Element – den Wasserstoff – nicht lange genug halten. Wasserstoffverbindungen sind aber für die Entwicklung der komplizierten organischen Moleküle unerläßlich.

Noch pessimistischer stimmten die sensationellen Marsphotos der Raumsonde Mariner IV vom Juli 1965: sie zeigten eine trostlose Wüstenlandschaft. Die Entdeckung der Connes hat das Bild jetzt gewandelt; mit genial erdachten Instrumenten aus ihrer eigenen Werkstatt gelangen ihnen im vorigen Jahre die neuen Einblicke in die Zusammensetzung der Marsatmosphäre.

Zu den Wasserstoff-Verbindungen auf dem Mars gehören vermutlich große Mengen an Methan. Diese Tatsache ist besonders interessant, erklärte dazu Dr. Lewis Kaplan vom kalifornischen Jet Propulsion Laboratory auf der letzten Tagung der American Chemical Society in San Franzisko: das Methan auf der Erde wird von anaeroben Bakterien (in Sümpfen – daher auch der Name "Sumpfgas") produziert, die ohne Sauerstoff leben können. Nun braucht das martianische Sumpfgas nicht unbedingt von Lebewesen herzurühren; doch läßt es auf eine Umwelt schließen, die freien Wasserstoff zur Verfügung stellt und damit grundsätzlich die Entwicklung des Lebens zulassen müßte. -se