W. H., Bonn

Die Prominenz von Bonn und Bad Godesberg bangt um ihre gesellschaftliche Exklusivität. Denn in unmittelbarer Nachbarschaft des vornehmen "Internationalen Clubs La Redoute", dem Vereinslokal der rheinischen High Society aus Politik, Wirtschaft, Adel und Diplomatie, hat sich ein "Sexlokal" etabliert.

Allein die Tatsache nächtlicher Nacktvorführungen stört die feinen Leute von Bonn weniger als die Gefahr unliebsamer Verwechselungen. Der Grund: die Nachtbar nennt sich ähnlich wie der Prominenten-Zirkel – "Club International". Angeblich führte das Namensspiel bereits zu peinlichen Störungen der Gäste des eingetragenen Vereins: Nächtliche Barbesucher riefen mehrfach bei der Clubleitung der Redoute an und begehrten die Tänzerinnen "Mizzy" und "Cissy".

Überdies glauben die Mitglieder des internationalen Clubs, der "hochangesehene Name" ihres Vereins werde durch die aufdringliche Leucht- und "gewöhnliche Zettelreklame" herabgewürdigt. So klagte der portugiesische Botschafter Manuel Homen de Mello über die Bar, in der pikante Film- und Dias-Serien abgespult werden: "Diese Doppelheit am gleichen Ort... ist unerträglich." Und Präsidiumsmitglied Adolf Krogmann, Präsident des Clubs der Luftfahrt, mäkelte: "Ich finde es im Interesse der gemeinsamen Mitglieder peinlich, wenn eine Verwechselung des Namens unseres Clubs mit einem Tanzlokal möglich ist."

Versuche des Clubs, dessen Schirmherr Bundespräsident Lübke ist und dem Konrad Adenauer ebenso angehört wie Ludwig Erhard, den Barbesitzer Josef Breuer auf gütlichem Wege zur Raison und Namensänderung zu bringen, sind jedoch bislang gescheitert. Kneipier Breuer lehnte ab.

Der Clubvorstand beschloß daher, den störrischen Bar-Boß gerichtlich in die Knie zu zwingen, denn ihrer Meinung nach hat "ein Nachtclub mit Mädchenbedienung nicht das geringste mit einem ‚Club‘ zu tun"; international sei das Lokal ebenfalls nicht, "da, außer von einzelnen zufällig in Godesberg sich aufhaltenden Ausländern und Negern, kein Diplomat es betreten wird". Überdies machen die Redouteanwälte, die zwischen Ausländern und Negern feinsinnig unterscheiden, ein Vorrecht geltend: Die Redoute nenne sich bereits seit 1954 "internationaler Club", während die Tanz- und Casinobar erst seit 1965 "international" firmiert. Vorher hieß die Nachtbar "Arlecchino" und "Tampico",

Barclub-Besitzer Josef Breuer glaubt dennoch, sein Firmenschild zu Recht zu führen. Er bestreitet jede Verwechselungsgefahr und kontert die Redoute-Attacken: "Wenn die Herren des internationalen Clubs feststellen, daß in meinem Nachtlokal kein Diplomat verkehrt, allerhöchstens ein paar Neger, so ist dies unrichtig. Es halten sich Gäste aller Nationen und Gesellschaftsklassen bei mir auf, darunter auch Prominente, deren Namen wir aus Gründen der Diskretion nicht nennen können."