Am 6. Januar haben wir uns, meine verehrten Leser, an dieser Stelle über die Absicht der ADIG Allgemeine Deutsche Investment-Gesellschaft mbH, München – Düsseldorf, unterhalten, einen zweiten Vertriebsweg für den Verkauf ihrer Zertifikate zu eröffnen, und zwar durch den Verkauf der Fonds-Papiere durch Vertreter der Secur-Invest, Gesellschaft für Anlageberatung mbH & Co KG, Düsseldorf, die bereits Anteile der Fonds der amerikanischen Channing-Gruppe placiert.

Sie werden sich daran erinnern, daß mit der Einführung des neuen Vertriebsweges die vom Sparer zu zahlenden Spesen von bisher 3,2 auf 5 Prozent erhöht worden sind. Da mit dieser Spesenheraufsetzung nach meiner Ansicht kein zusätzlicher Nutzen für den Käufer verbunden ist, habe ich diese Verteuerung bedauert. Das wiederum hat der rührige Geschäftsführer der ADIG, Assessor Erik Fintelmann, bewogen, zur Spesenfrage Stellung zu nehmen.

Er schreibt: "Wird die Spesenfrage nicht immer wieder überbewertet? In der Gruppe der vergleichbaren Fonds mit deutschen Werten liegt die Zuwachsrate einschließlich der ausgeschütteten Erträge seit Auflage des letzten dieser Fonds am 7. November 1958 bis zum 31. Dezember 1966 zwischen 50,61 und 72,28 Prozent. Fondak (gehört zu den ADIG-Fonds) nimmt mit plus 72,16 Prozent die zweite Stelle ein. Was nützen denn dem Anleger um rund zwei Prozent niedrigere Spesen, wenn er damit unter Umständen innerhalb von gut acht Jahren 20 Prozent weniger Wertzuwachs erzielt?"

Eine solche Antwort kann ich nicht ohne weiteres akzeptieren. Denn die Höhe des Spesensatzes sagt doch nichts über die Erfolge der Fonds aus. Oder wird die ADIG die zu erwartenden Mehreinnahmen zur qualitativen Verbesserung ihrer Anlagepolitik benutzen? Ist es nicht vielmehr so, daß die Secur-Invest-Vertreter höher entlohnt werden müssen als die Banken, die bisher ausschließlich den Vertrieb der Zertifikate besorgten?

Assessor Fintelmann erinnert in diesem Zusammenhang daran, daß die von ihm genannten Spesensätze nur dann gelten, wenn bei der Ausgabe oder Rücknahme der Anteilscheine der Fonds eingeschaltet wird. Darüber hinaus steht es allen Banken – nicht nur den ADIG-Gesellschafterbanken – frei, Anteilscheine ohne Einschaltung der Fonds zu handeln. "Das war bisher so und wird sicher auch so bleiben." Damit bestätigt Fintelmann meinen Hinweis in dem Artikel "Fonds auf fremden Pfaden", daß es nützlich sein wird, vor Abschluß eines Kaufvertrages "an der Haustür" mit einem Kreditinstitut Verbindung aufzunehmen, um zu erfahren, ob die Bank mit ihren Spesen nicht billiger ist als der Vertreter.

Dieser Ratschlag hat mir vom Leser Walter Zwicky den Vorwurf der "Bankenfreundlichkeit" eingetragen. "Auch die Liebe zu den Banken macht blind", so schreibt er mir. "Es ist nicht richtig, daß die Spesensätze eines Fonds bei Secur und Bank verschieden sind. Außerdem wäre es ein trauriges Vorgehen, wenn die Banken nur unter Druck nachgeben würden." Daß die Spesensätze durchaus unterschiedlich sein können, hat Fintelmann ausdrücklich festgestellt – zum zweiten Argument von Walter Zwicky ist zu sagen, selbst wenn er mir wieder blinde Bankenliebe vorwirft, daß in diesem Falle von einem Nachgeben der Banken keine Rede sein kann, sie sind nur nicht ohne weiteres bereit, den höheren Spesensatz zu kassieren, den ein Secur-Invest-Vertreter beansprucht.

Zwicky schreibt weiter: "Die Banken sind dem notwendigen Verkauf von Zertifikaten nicht gewachsen, weder quantitativ (Personal) noch qualitativ (Art der Information). Wenn die Banken den Personenkreis ansprechen wollten, den die Anlageberatungsgesellschaften ansprechen, müßten die Banken erheblich mehr Geld in ihre Wertpapierabteilungen stecken, und die Kostenstruktur wäre anders. Aber auch eine solche Maßnahme würde nicht den gewünschten Erfolg haben. Auch der Handel kennt den Vertrieb über den Ladentisch und durch Außendienstmitarbeiter. Die von Ihnen so verschmähten Spesen kann man auch mit den Werbungskosten vergleichen. Ist es generell so, daß Firmen, die aus Ersparnisgründen keine Werbung treiben, billiger sind? Dieser Gedankengang ist doch absurd. Die Firmen treiben Werbung, um mehr umzusetzen und um dadurch eventuell sogar günstiger anbieten zu können. Die Wirtschaft in der Bundesrepublik braucht die neue Vertriebsmethode der Fonds, weil sie Geld braucht und weil nur so brachliegende Gelder locker oder zurückhaltende Leute zur Anlage ermuntert werden können."