Tatbestand: Zweitausend bundesdeutsche Automobilisten lassen jährlich das Leben an Chausseebäumen. Folgerung: Man nehme Axt und Säge und holze Linden-, Eichen-, Kastanien- und Pappelalleen ab. Ergebnis: Sieg über den Verkehrstod.

So einfach ist das.

Wer den Gedanken weiterdenkt, findet die Lösung aller Lösungen: Wildwechsel? Abknallen. Gefährliche Pässe? Zuschütten. Bahnübergänge? Weg mit der Bundesbahn. Die Welt als eine einzige glatte Piste – wie da die Kinnmuskeln all jener kantig werden, die mit dem VW unterm Hintern ferrarischen Träumen nachjagen.

Nun ist freilich die Aktion "Kahlschlag" der ernstgemeinte Vorschlag ernsthafter Männer. Ein Vorschlag zudem mit dem Anschein zwingender Logik. Denn: Sind blühende Kastanien ein Äquivalent für zweitausend Menschenleben? Was zählt die Schönheit jungen Frühlingsgrüns neben berstenden Schädeldecken?

So sind denn auch die Gegner der Holzaktion in der Defensive: Hoffnungslose Naturschwärmer, eine Mischung aus Hermann Löns, Professor Grzimek und Turnvater Jahn, Defätisten der Motorisierung. Und dies alles braucht man ihnen nicht einmal ausdrücklich anzulasten; die tödliche Nüchternheit der Unfallstatistik ist Argument genug.

Kein Zweifel: Es ist schrecklich, daß in jedem Jahr zweitausend Menschen ihr Leben an Chausseebäumen verlieren.

Doch die Alternative "Bäume oder Leben" ist hinterhältig.