Sowjetische Frauen mußten sich unter Stalins Bild beugen

Zum erstenmal nach mehr als zwei Monaten ließ sich Mao Tse-tung – bei einem Empfang für albanische Gäste – wieder in der Öffentlichkeit sehen. Sein Auftritt war anscheinend genauso klug berechnet wie im letzten Sommer, als er – schon totgesagt – die Roten Garden um sich sammelte, um die ganze Macht zurückzuerobern und seinem Volk neuen revolutionären Geist einzuhauchen.

Systematisch gehen seine Anhänger nun daran, Provinz um Provinz "zu erobern". Wo die ideologische Überzeugungskraft der Rotgardisten nicht ausreichte, um Maos Opponenten einzuschüchtern, griff die Armee ein.

Mittlerweile lenkte Mao die Wut seiner Roten Garden gegen die Sowjetunion, die offen die Kulturrevolution verdammt hat und anscheinend auf die Opposition gegen Mao gesetzt hat. Fast zwei Wochen lang wurde die sowjetische Botschaft in Peking von aufgebrachten Massen belagert. Die sowjetische Regierung war so sehr um Leib und Leben ihrer Staatsbürger in Peking besorgt, daß sie die Evakuierung von Frauen und Kindern anordnete.

Es wurde ein Spießrutenlaufen: Junge Rotgardisten zwangen die sowjetischen Familien vor dem Abflug, unter großen Plakaten von Stalin, Lenin und Mao hindurchzukriechen. Die Sowjetbürger wurden bespuckt, getreten und wüst beschimpft.

In der Sowjetunion wurden Gegenkundgebungen organisiert. Arbeiter in Moskau rissen vor der chinesischen Botschaft einige Schaukästen nieder, in denen Photos von Schlägereien zwischen chinesischen Studenten und Sowjetpolizisten gezeigt wurden. Beide Stalten schickten einander grobe Protestnoten und drohten einander mit "ernsten Konsequenzen".

Kossygins Vision