In den Börsensälen, aber auch in den Vorstandszimmern in Berlin, fragt man sich: Wer steckt dahinter? Die Aktien des Chemieunternehmens Schering AG, Berlin, waren in den vergangenen Wochen sehr gefragt. Schon vor Beginn der allgemeinen Hausse an den deutschen Börsen zog ihr Kurs stetig an. Man vermutet gezielte Aufkäufe eines Interessenten.

Die ersten Vermutungen konzentrierten sich auf die Badische Anilin-& Sodafabrik (BASF) in Ludwigshafen. Von dort kam aber weder eine Bestätigung noch ein Dementi. Die Aufkäufe sind auch deshalb etwas rätselhaft, weil in der Satzung des Unternehmens eine Sperrklausel verankert ist, nach der kein Aktionär, auch nicht mittelbar oder durch Strohmänner, mehr als drei Millionen Mark Nominalkapital (von jetzt 122 Millionen Mark Grundkapital) vertreten darf. Diese Klausel würde allerdings wenig nützen, wenn plötzlich ein Mehrheitsaktionär direkt an die Türen in Berlin-Wedding klopft.

Neue Vermutungen tauchen jetzt auf. Die ehemalige Schering-Tochtergesellschaft in den USA ist vor einiger Zeit mit einer Niederlassung auf dem deutschen Markt erschienen. Sie ist während des Krieges enteignet und unter Treuhandschaft gestellt worden. Sie hat bis zum späteren Verkauf des Aktenkapitals in Amerika eine selbständige Entwicklung durchgemacht.

Für die Vermutung, daß die Tochter jetzt versucht, die ehemalige Muttergesellschaft aufzukaufen, ist bisher noch keine Bestätigung zu erhalten. Gründe gäbe es allerdings genug. Denn schließlich besitzt die Schering AG ein bemerkenswertes Geheimnis: Die Grundsubstanz für die Anti-Baby-Pille. Streng geheim wird sie von einer mexikanischen Schering-Tochter aus bestimmten Pflanzen gewonnen. Mit ihrer Pille besitzt die Berliner Gesellschaft in der Bundesrepublik einen Marktanteil von 60 Prozent und auf dem Weltmarkt – außerhalb der USA – 40 Prozent. W. P.