Die Preisbindung in der Schweiz ist zusammengebrochen. Der Markenartikelindustrie ist es weder durch Boykottmaßnahmen noch mit Hilfe der Gerichte oder Änderungen des Rabattsystems gelungen, alle Einzelhändler zur Einhaltung der vorgeschriebenen Preise zu zwingen.

Bis Mitte der fünfziger Jahre hatten die Markenartikel der Nahrungs- und Waschmittelhersteller eine absolute Vorrangstellung auf dem Schweizer Markt. Das änderte sich mit der Gründung der Migros-Genossenschaft durch Gottlieb Duttweiler, die sich immer geweigert hat, preisgebundene Markenartikel zu führen. Statt dessen nahm sie Eigenmarken in ihr Sortiment auf. Andere Handelsorganisationen folgten diesem Beispiel. Der Markenartikelumsatz von insgesamt zwei Milliarden Franken drohte zu schrumpfen.

Das gefährdete aber auch den Absatz vieler Einzelhändler. Im vergangenen Jahr verkauften deshalb einzelne Handelsketten erstmals Markenartikel mit hohen Rabatten. Als der Markenartikelverband, dem 67 Markenartikelhersteller angehören, die Preiseinbrüche weder mit Prozessen noch mit Liefersperren eindämmen konnte, gab er nach, denn in der Schweiz gibt es im Gegensatz zur Bundesrepublik keine gesetzlich geregelte Preisbindung. Die Produkte sind jetzt nur noch mit Richtpreisen versehen.

In der Bundesrepublik hat die Markenartikelindustrie mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zahlreiche Preisbindungen mußten auf Verlangen des Kartellamtes aufgehoben werden, weil sie lückenhaft geworden sind. Heute dürfte es nur noch wenig Markenartikel gebe die mit ungerechtfertigt hohen Handel spannen ausgestattet sind, die im Wettbewerb nicht zu halten sind. cmh