Die deutsche Automobilindustrie ist auf Gedeih und Verderb mit dem Weltmarkt verbunden. Der deutsche Markt allein kann die Produktion nicht aufnehmen. Die starke Exportabhängigkeit zeigt sich dann besonders deutlich, wenn die inländische Nachfrage aus konjunkturellen Gründen zurückgeht, wie es im vergangenen Jahr der Fall war. 1966 hat die deutsche Automobilindustrie jeden zweiten Wagen im Ausland verkauft. Von der Gesamtproduktion von 3,05 Millionen Fahrzeugen wurden 53,7 Prozent jenseits der deutschen Grenzen abgesetzt.

Die Exportquote der deutschen Automobilindustrie hat sich beständig erhöht. 1950 wurden erst 27 Prozent aller deutschen Kraftwagen im Ausland verkauft, 1956 waren es schon 45 Prozent und 1960 sogar fast 48 Prozent.

Wichtigster Automarkt im Ausland waren auch im vergangenen Jahr die Vereinigten Staaten, die insgesamt 576 000 Fahrzeuge abnahmen. Wegen der Bedeutung, die der amerikanische Markt hat, beobachten die deutschen Hersteller das Tauziehen um die neuen Sicherheitsbestimmungen der amerikanischen Regierung mit großer Sorge. Sie fürchten, daß einige dieser Vorschriften aus technischen Gründen in den kleinen europäischen Autos nicht zu verwirklichen sind. Ein Export in die USA wäre dann nicht mehr möglich. Da jedes dritte deutsche Exportauto an einen Amerikaner verkauft wird, wäre das ein harter Schlag für die deutschen Firmen.

Nach den USA sind unsere Partnerländer in der EWG die wichtigsten Kunden für deutsche Autos. Sie nahmen zusammen im vergangenen Jahr 389 000 Wagen ab. Die meisten davon, nämlich 124 000 Fahrzeuge, wurden in Belgien und Luxemburg verkauft. Ebenso wie Frankreich und Italien ihren Absatz in der Bundesrepublik beträchtlich ausweiten konnten (siehe Graphik), stiegen auch die deutschen Ausfuhren in diese Länder, und zwar nach Frankreich um 21 und nach Italien um 13 Prozent.

Schweden, vor zwei Jahren noch der zweitwichtigste deutsche Autokunde, fiel bei einem Import von 89 000 Wagen auf den fünften Platz zurück. Der schwedische Markt war genauso schwierig wie der deutsche. Die schwedische Autoindustrie mußte sogar für 64,5 Prozent ihrer Gesamtproduktion von 200 000 Fahrzeugen Kunden im Ausland suchen.

Zum zweitstärksten Autoexporteur der Welt entwickelte sich im letzten Jahr Frankreich mit einer Ausfuhr von 787 000 Kraftwagen, einem guten Drittel der Gesamtproduktion.

Ein schlechtes Jahr hatte wiederum die britische Autoindustrie, deren Produktion um 6,2 Prozent auf rund zwei Millionen Fahrzeuge zurückging, wobei der Export sogar um über 11 Prozent abnahm. Starke Rückschläge mußten die Briten, die 35 Prozent ihrer Autoproduktion über die Grenzen liefern, vor allem im EWG-Raum hinnehmen.

Genau umgekehrt war die Entwicklung in Japan, das einen Produktion sprang um beinahe 22 Prozent auf fast 2,3 Millionen Automobile erlebte und damit zum drittgrößten Autoproduzenten der Welt wurde. Die Exportquote war mit knapp 11 Prozent allerdings noch recht mager. Unter den großen Autoländern der Welt verzeichnen die USA mit 3,3 Prozent die weitaus geringste Exportquote. bo