Prominente deutsche Katholiken gerieteil in den letzten Wochen ins Gerede. Kaum hatte sich die Aufregung über Karl Fürst zu Löwenstein etwas gelegt, da widerfuhr dem Kölner Erzbischof, Joseph Kardinal Frings, das Mißgeschick, in den Verdacht des Antisemitismus zu geraten.

Ausgerechnet an seinem 80. Geburtstag, der dazu noch auf den Rosenmontag fiel, forderte Frings die jüdische Gemeinde in Köln auf, sich von einem gegen ihn gerichteten Angriff der "Allgemeinen unabhängigen jüdischen Wochenzeitung" "öffentlich und in aller Form" zu distanzieren. Zugleich sagte er einen Vortrag zur "Woche der Brüderlichkeit" ab.

Die Kölner Juden waren merkwürdig berührt, weil der Kardinal in seinem Appell von der "Kölner Judenschaft" gesprochen hatte, ein Ausdruck, den die Nazis auch im Munde geführt hätten.

Angefangen hatte der Ärger mit einem Gespräch zwischen Frings und dem amerikanischen Rabbiner Max Nußbaum, der sich an Ort und Stelle vergewissern wollte, wie gefährlich die NPD für die Juden sei.. Wie die "Allgemeine" berichtete, habe Frings eine neue Gefahr von rechts verneint, da es heute "nur eine kleine jüdische Gemeinde" gebe.

Der streitbare Kardinal, der sich im Kriege mit den Nazis, nach dem Kriege mit der britischen Besatzungsmacht und auf dem Konzil mit Kardinal Ottaviani angelegt hat, bedauerte wohl die Verbrechen der Nazis, rechnete aber auch den Alliierten ihre Sünden vor, zum Beispiel die Bombardierung Dresdens und der Kirchen. Auf Nußbaums Einwand, man könnte doch nicht die Bombardements mit dem Mord an sechs Millionen Juden vergleichen, soll Frings erwidert haben: "Sind Sie sicher, daß es sechs Millionen Juden gewesen sind?"

Frings’ erste Reaktion auf, den Zeitungsbericht: "Die Zitate sind aus dem Zusammenhang gerissen!"