Es geht um rund 3000 Arbeitsplätze, um die Beschäftigung von 3000 Ingenieuren und Wissenschaftlern, die in den Entwicklungsteams der kleinen deutschen Luftfahrtindustrie beschäftigt sind. Von den 8000 Ingenieuren, die in deutschen Flugzeugwerken arbeiten, müßte ein Drittel oder gar die Hälfte entlassen werden, wenn die Pläne der Bundesregierung verwirklicht werden.

Ursache ist die Kürzung der Haushaltsmittel für militärische Entwicklungsaufträge auf 120 Millionen Mark – ein Betrag, der vorn und hinten nicht ausreicht. Erfolgversprechende Projekte drohen dem Rotstift zum Opfer zu fallen, senkrecht startende Flugzeuge vor allem, ein Gebiet, auf dem sich die deutsche Luftfahrtindustrie wieder Weltgeltung verschafft hatte.

Nicht genug, daß damit einige hundert Millionen Mark in den Schornstein geschrieben werden, die in den zurückliegenden Jahren für Entwicklungsprojekte ausgegeben wurden, die nun ad acta gelegt werden sollen – verloren geht uns vor allem der noch immer magere Erfahrungsschatz an fortschrittlicher Technologie, den die deutsche Industrie auf diesem Wege sammeln konnte.

War der Ansatz der Entwicklung falsch, so muß er korrigiert werden. Aber es ist doch kaum zu glauben, was der Luftfahrtindustrielle Claudius Dornier berichtet, daß nämlich die militärische Führung keine Entwicklungsaufgaben für die deutsche Luftfahrtindustrie hat. Sollte es jedoch so sein – arme Luftwaffe; dann lohnt sich für ein solches Instrument, das nur mit der modernsten Technik wirkungsvoll sein kann, nicht der Aufwand des Verteidigungshaushalts.

Verloren gehen aber auch die Menschen, Wissenschaftler, deren technisches know how wir nicht entbehren können, die aber ihrerseits eine Aufgabe brauchen, die ihr Können herausfordert und ihre Phantasie reizt. Als jüngst eine südafrikanische Werbekolonne in München auftauchte, um Flugzeugbauer anzuheuern, gaben sich deutsche Ingenieure die Türklinke in die Hand. Die Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung machte dem Spuk ein Ende. Doch den Ingenieuren sagte niemand, was nun werden soll. Unterbindet aber die Bundesregierung eine Abwerbung, so übernimmt sie auch eine Verantwortung. Es wird Zeit, daß sie erklärt, wie sie sich die Zukunft unserer Zukunftsindustrie vorstellt. hm