Als der rheinische Karneval zur Weiberfastnacht auch in die Bonner Amtsstuben einzudringen suchte, stieß er in zwei Ministerien auf unerwarteten Widerstand der Bürokraten. Im Auswärtigen Amt und im Wirtschaftsministerium suchten sich einige Beamte standhaft einer Pflichtübung zu entledigen, die ihnen am Vortage von der Bundesregierung auferlegt worden war. Sie mußten letzte Hand an eine Verordnung legen, die – im Grundsatz von der Regierung bereits gebilligt – mit Beginn der Fastenzeit einigen deutschen Unternehmen auch Enthaltsamkeit gegenüber rhodesischen Waren auferlegen will.

Mit der Verordnung bekundet die Bonner Regierung, daß sie sich jenen Sanktionen anschließt, die vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gegen Südrhodesien verhängt worden sind. Bei Stimmenthaltung der Sowjetunion, Frankreichs, Bulgariens und Malis hatten am 18. Dezember 1966 die übrigen elf Mitglieder des Sicherheitsrats einem Antrag Großbritanniens zugestimmt, der darauf abzielt, die von London abtrünnige Regierung Smith mit wirtschaftlichem Druck zur Aufgabe ihrer starren Haltung in der Rassenfrage zu bewegen. Den vier Millionen Negern Rhodesiens soll auf britisches Drängen nach und nach doch noch die Gleichberechtigung mit den 220 000 weißen Siedlern gewährt werden.

Englands Premierminister Wilson wurde zu diesem Schritt vor allem von den afrikanischen und asiatischen Commonwealth-Ländern getrieben. Der Zerfall des ehemals britischen Einflußgebietes würde, wie er glaubt, noch schneller fortschreiten, als es ohnehin schon der Fall ist, wenn London nicht überzeugend darlegt, daß es die Zeit der Vorherrschaft des weißen Mannes auch in Afrika als überholt betrachtet.

In der Organisation der Vereinten Nationen, in denen die Afrikaner und Asiaten die Mehrheit haben, war es nicht schwer, Sanktionen durchzusetzen. Schwerer war es, dieses Vorgehen rechtlich zu begründen. Schließlich genügte die Begründung nicht, daß in Rhodesien die Regierung einer Minderheit am Ruder ist. Der Welthandel würde jäh zusammenschrumpfen, wollte man dieses Prinzip gegen alle Länder mit Minderheitsregierungen anwenden. Deshalb warfen die UN-Juristen Rhodesien kurzerhand vor, es bedrohe den Weltfrieden – auch das eine anfechtbare These.

Bedeutsamer als juristische Spitzfindigkeiten ist für uns Deutsche nun jedoch die Frage, warum sich die Bundesregierung bemüht, UN-Musterknabe in Sachen Wirtschaftssanktionen zu werden. Solche Knaben sind schon in der Schule nicht beliebt.

Der Bundesrepublik hat diese Rolle jedenfalls im Falle des Röhrenembargos gegenüber der Sowjetunion nur Nachteile gebracht. Auf ein Augenzwinkern der Amerikaner hin erlief die Adenauer-Regierung Ende 1962 jenes Lieferverbot von Großrohren an die Sowjetunion, das sich für die Bonner Ostpolitik so erschwerend ausgewirkt hat – ganz zu schweigen von den Verlusten der betroffenen deutschen Stahlkonzerne. Im Frühjahr 1963 wurde auch der Transport solcher Großrohre gestoppt und so überaus brutal in bestehende Lieferverträge eingegriffen.

Die Sowjets, die uns mit einigem Recht des Vertragsbruchs bezichtigten, brauchten freilich nicht lange auf neue Angebote zu warten. Unsere Nato-Partner und erst recht einige andere Stahlexportländer fanden sich sofort bereit, in die deutschen Verträge einzusteigen. Vorsichtshalber bauten die Sowjets dennoch eilig ihre Großröhrenwerke weiter aus. Nach ungefähr anderthalb Jahren waren diese in Betrieb.