Die Schwarzmaler haben nicht recht behalten. Sie hatten eine dreiviertel Million Arbeitslose für Ende Januar vorausgesagt. Die Zahl der Arbeitslosen ist aber nur auf 620 000 gestiegen. Für die Beurteilung der künftigen Entwicklung am Arbeitsmarkt erscheint die Tatsache noch wichtiger zu sein, daß sich die Zahl der offenen, der unbesetzten Arbeitsplätze sogar geringfügig erhöht hat, auf 255 000. Gewiß hat die günstige Witterung dazu beigetragen, die Außenarbeiten konnten fast ungehindert fortgesetzt werden.

In den nächsten Monaten dürfte der mit einiger Unruhe verbundene Wechsel der Arbeitsplätze für viele Arbeiter und Angestellte anhalten. Diese Wanderung zum leistungsfähigeren Betrieb ist für den Betroffenen sicher unangenehm, aber sie stellt zugleich eine wichtige Voraussetzung für das weitere Wirtschaftswachstum und damit für die Zunahme des allgemeinen Wohlstandes dar. Deshalb wäre es alles andere als sozial, wollte man diese Fluktuation behindern. Das könnte jedoch die Folge der von Bundesarbeitsminister Katzer vorgeschlagenen Erhöhung des Arbeitslosengeldes um 20 Prozent sein.

Wer unverschuldet arbeitslos wird, sollte in seiner Lebenshaltung nicht auf das Existenzminimum sinken. Das hat die Arbeitslosenversicherung unter allen Umständen zu verhindern. Er sollte aber, alles in allem, auch nicht besser gestellt werden, als er es bei voller Beschäftigung war. Ein Leistungsanreiz muß bleiben. Nach Ansicht von Experten fällt dieser materielle Anreiz weg, wenn die Vorschläge Katzers voll verwirklicht werden.

Wenn dem so ist, bleibt immer noch die für die künftige Wirtschafts- und Wohlstandsentwicklung viel wichtigere Aufgabe, die Wanderung der Arbeitskräfte zu ergiebigeren Tätigkeiten besser zu fördern. Aufklärungsarbeit ist für diesen Zweck wichtiger als eine höhere materielle Zuwendung. Dennoch sollte man die Wirkung finanzieller Hilfen beim Arbeitsplatzwechsel nicht unterschätzen. ks.