E. W., Paris im Februar

Die strahlende Fünfte Republik muß jetzt erkennen, daß auch sie nur so weit reicht, wie das Geld langt. Im jetzt beginnenden Wahlkampf sieht sie sich dem Vorwurf ausgesetzt, daß sie die stolze Schulreform der force de frappe geopfert habe. Wieso?

Im Jahr 1959 erließ General de Gaulle ein Schulgesetz, wie die IV. Republik es sich jahrelang erträumt hatte. Die Grundlage des ganzen Reformwerks bildete die Verlängerung der Schulpflicht bis zum 16. Lebensjahr. Das Gesetz wurde für die Abc-Schützen des Jahres 1959 sofort gültig.

Heute sind die damals Betroffenen 14 Jahre alt, aber anstatt noch zwei. Schulklassen vor sich zu haben, werden sie jetzt – falls sie nicht auf eine höhere Schule überwechseln – in das Berufsleben entlassen, weil allenthalben Lehrkräfte und Schulraum fehlen. Der Staat ist mit dem Neuaufbau des Unterrichtswesens einfach nicht fertig geworden – obgleich die Fünfte Republik es an Aufwand für die Schulen nicht hat fehlen lassen: Das Erziehungsministerium hat heute einen Anteil von 16,3 Prozent am gesamten Staatshaushalt, während es 1957 nur 8,5 Prozent bekam.

Es scheint, daß hier die gerühmte Planifikation nicht richtig geplant hat.