Wie raffiniert waren die Erbauer der ägyptischen Pyramiden? Haben die Pharaonen mit architektonischen Tricks gearbeitet, die von den Altertumsforschern bis heute nicht durchschaut werden konnten? Amerikanische Physiker wollen jetzt mit einem verblüffenden Untersuchungsverfahren nach Geheimnissen fahnden, die im Innern der Pyramiden noch verborgen sein könnten: Die gewaltigsten Steinkolosse sollen ab März durchleuchtet werden.

Alt-Ägyptens Könige ließen Pyramiden bauen, weil sie sich um ihr Schicksal nach dem Tod sorgten. Die Pharaonen wünschten, daß ihr mumifizierter Körper dereinst vor jeglicher Störung geschützt sei. So begannen sie bei Lebzeiten, gigantische Grabmäler zu errichten, an deren Bau Hunderttausende jahrzehntelang schufteten.

Die größten Pyramiden ließen zwei Könige der IV. Dynastie, Cheops und sein Sohn Chephren, um die Mitte des dritten Jahrtausends vor Christus bei Gizeh auftürmen. 230 Meter Länge mißt bei der Cheops-Pyramide – auch "große Pyramide" genannt – jede Seite der quadratischen Grundfläche, 146,5 Meter ragte einst die Spitze empor. Noch immer, nach viereinhalb Jahrtausenden, ist die Pyramide 137 Meter hoch.

Bewunderer errechneten, daß auf der Grundfläche der Cheops-Pyramide die Peterskirche in Rom, die Dome von Florenz und Mailand, die Westminster-Abtei und die St.-Pauls-Kathedrale in London zusammen Platz hätten. 2 300 000 Kalksteinblöcke, jeder 1 1/2 Tonnen schwer, wurden zu dem Königs-Grabmal übereinandergeschichtet. Die Pyramide des Chephren ist nur wenig kleiner.

Doch die Pharaonen vertrauten nicht allein den Gesteinsmassen, die sie über den für sie selbst vorgesehenen Grabkammern auftürmen ließen. Sie verschleierten den Zugang zur Grabkammer durch architektonische Kniffe, etwa durch Irrgänge und Treppen, die in ausweglosen Räumen enden.

Manche Ägyptologen halten es sogar für möglich, daß die alten Ägypter noch raffinierter waren, daß sie beim Bau der Pyramiden Grabkammern anlegen ließen, die den Eindruck erwecken sollten, die Königsgräber seien bereits geplündert worden. Tatsächlich waren viele Grabkammern leer, als Archäologen in sie eindrangen. Sind die echten Gräber noch im Gestein der Pyramiden verborgen?

Um diese Theorie zu prüfen, haben sich ägyptische Forscher von der Ein-Shams-Universität und dem Amt für Altertümer in Kairo mit Physikern vom Lawrence Radiation Laboratory an der Universität von Kalifornien verbündet. Unter Leitung von Dr. Luis Alvarez sollen die Pyramiden mit Hilfe kosmischer Strahlen durchleuchtet werden.