Den Stahlleuten an Rhein und Ruhr ist eine Verschnaufpause gegönnt, und ausgerechnet die Russen sind schuld daran, daß die harten Männer, denen in letzter Zeit mit Auftragsrückgängen und Arbeitseinschränkungen manche Enttäuschung aufgebürdet wurde, fürs erste wieder einmal aufatmen können. Während die Statistiker in den Kontoren noch dabei waren auszurechnen, daß die deutsche Stahlindustrie im Januar immerhin mehr produziert hat als in jedem der letzten vier Monate des vergangenen Jahres, wurde bekannt, daß ein spektakulärer Abschluß zwischen der Sowjetunion und westdeutschen Stahlfirmen zustande gekommen ist: ein Geschäft über 60 000 Tonnen Feinblech.

Der Mann vom Fach, der auf deutscher Seite darüber alles weiß, ist Dr. Richard Risser, Mannheimer von Geburt, Stahl- und Eisenmann seit seiner Promotion, kaufmännisches Vorstandsmitglied der August Thyssen-Hütte und designierter Vorsitzender des Beirats des künftigen Walzstahlkontors West, einer jener Konzentrationsschöpfungen, mit denen die deutsche Stahlindustrie sich aus der Flaute herausmanövrieren möchte. Im Hause eines freundnachbarlichen Konkurrenten, an der Schwelle einer Ganztages-Konferenz mit Kollegen aus der Stahlzunft, gibt Richard Risser Auskunft über das, was er weiß und ... preisgeben kann.

"Von den 60 000 Tonnen, Herr Dr. Risser, hat Ihr Haus, die August Thyssen-Hütte, offenbar den Löwenanteil erwischt ?"

"Ja, 35 000 Tonnen. Die restlichen Aufträge fielen meines Wissens an Otto Wolff, Klöckner, Mannesmann und Hoesch."

"Warum wurde Ihr Haus von den russischen Partnern so offensichtlich bevorzugt?"

Richard Risser verrät, daß die Gespräche zunächst über 20 000 Tonnen Feinblech gingen, daß man aber bald bei 35 000 Tonnen angelangt sei. Weil man die Konkurrenz lieber leben lassen als ihren Neid erwecken wolle, hätten die Thyssen-Leute gern andere Firmen an dem Geschäft beteiligt. Die Russen hätten aber darauf bestanden, 35 000 Tonnen von dem Duisburger Werk allein zu bekommen.

"Erstreckt sich der Auftrag auf ein und dieselbe Ware?"