Der Wartburg 1000, ein neues Modell aus Eisenach (DDR), ist bis auf die Art des Motors völlig verschieden von seinem Vorgänger, dem Wartburg 312. Äußerlich: klare, zweckmäßige, moderne Linienführung. Fahrgestell, Karosserie, Aufbau, Ausstattung sind gut durchdacht, bequem und sehr sicher. Beispiel: Verstellbare Scheinwerfer; mit einem Griff kann man die Scheinwerfer so einstellen, daß entgegenkommende Fahrzeuge nicht geblendet werden.

Eine weitere Modernisierung: Der rundliche Profilrahmen gibt dem Wagen bei einem Unfall Elastizität und Stabilität. Die Rahmenform schafft größere Sicherheit, namentlich bei einem seitlichen Aufprall.

Wir fahren auf nassen Straßen. Es regnet. Auf der Autobahn nach Lübeck jagen wir den fast neuen Wagen mit 130 Stundenkilometern. Das ist die vom Werk angegebene Höchstgeschwindigkeit. Bei 120 wird der Motor lauter. Aber er arbeitet regelmäßig. Der Wartburg 1000 hat Vorderradantrieb. Es kommt mir nicht in den Sinn, daß er auf der nassen Autobahn rutschen könnte. Auf kurvenreichen Landstraßen wirkt sich die Rutschfestigkeit noch mehr aus. Auch auf Katzenköpfen fährt der Wagen erstaunlich ruhig. Ohne Zweifel bewirkt das die neuartige Schrauben-Gummifederung.

"Ich habe noch niemals zuvor einen so geringen Unterschied zwischen einer Fahrt auf Asphalt und Kopfsteinpflaster verspürt, wie in diesem Wartburg sagt der mitfahrende Ingenieur. Auch tiefe Schlaglöcher nimmt der Wartburg nicht übel. Der Fahrer spürt sie kaum. Die (vier) vollsynchronisierten Vorwärtsgänge kann man mit einem Finger schalten. Übersichtliches, rechteckiges Anzeigesystem. Keine störenden Zierleisten. Elektrische Scheibenwaschanlage. Ein Hebel für Zweiklanghupe und Lichthupe. Zweispeichenlenkrad mit Gummiwulst auf der Nabe. Die Handbremse ist ein wenig unpraktisch zwischen den vorderen Einzelsitzen untergebracht. Der Raum dazwischen ist zu eng. Der Rückspiegel ist zu klein. Der Außenspiegel ist besser.

Der Wartburg 1000 hat unter dem Armaturenbrett eine Ablage über die ganze Wagenbreite. Heizung mit zweistufigem Gebläse. Schlitze an beiden hinteren Dachpfosten für zugfreie Luftumwälzung auch bei geschlossenen Fenstern. Schlafsitze allerdings nur in der Luxusausführung. Kofferrauminhalt: über einen halben Kubikmeter. Das ist der geräumigste Kofferraum dieser Fahrzeugklasse.

Der Wartburg 1000 ist ja wohl eine Art "letzter Mohikaner" der Zweitaktmotoren-Ära. Über das Für und Wider der Zweitakter kann man streiten. Der Zweitaktmotor im Wartburg jedenfalls enttäuscht nicht. Das Tanken von Gemisch mag ein wenig umständlicher sein. Die Vorteile sind jedoch nicht zu übersehen: Ein Versagen der Ölschmierung, wie es das beim Viertakter geben kann, ist beim Zweitakter nicht möglich. Auch Schwierigkeiten mit Nockenwelle, Ventilen und Stirnrad entfallen. Der Zweitakter hat weniger bewegliche Teile. Er ist unkomplizierter und unempfindlicher als ein Viertakter.

Der Wartburg 1000 ist mit einer 12-Volt-Anlage ausgerüstet. Das wassergekühlte System hat eine Dauerfüllung für 50 000 Kilometer. Der Benzintank im Heck faßt 42 Liter. Der Wagen ist fast wartungsfrei. Nach 50 000 Kilometern erster Abschmierdienst am Fahrgestell. Benzinverbrauch: rund neun Liter auf 100 Kilometer. Der Wartburg kostet (ab Hamburg) 5290 Mark (Normalausführung: ohne Liegesitze, ohne Zweiklang- und Lichthupe.) Die Ausführung de Luxe kostet 5590 Mark. DZ