Das Franco-Regime in Spanien mußte sich in den letzten Wochen der härtesten Herausforderung seit dem Ende des Bürgerkrieges stellen. Das Ausmaß der Unruhen in der Arbeiter- und Studentenschaft wird durch eine Zahl verdeutlicht: Von den 69 000 Studenten des Landes waren zu Beginn dieser Woche mehr als die Hälfte vom Unterricht ausgesperrt.

Die Studentenrevolte nahm ihren Ausgang von Madrid, breitete sich jedoch in Windeseile auch auf andere Universitätsstädte aus: Barcelona. Valencia, Saragossa, Salamanca, Valladolid, Granada und Bilbao. Ursprünglich gedacht als Sympathiekundgebung für die streikenden Arbeiter in den Vororten der spanischen Hauptstadt, wuchs sich die Aktion der Madrider Studenten – vor allem von den juristischen, volkswirtschaftlichen und philosophischen Fakultäten – rasch aus zu einer Demonstration für studentischeFreiheit. Motto: "Diktatur – nein! Demokratie – ja!"

Nach Straßenschlachten zwischen den Akademikern und der "Policia Armada" wurde die Universität zunächst geschlossen. Der Dekan der juristischen Fakultät trat aus Protest zurück, weil die Polizei regelwidrig in das Universitätsgelände eingebrochen war und dort Studenten verprügelt hatte. Auch ausländische Journalisten bekamen die Knüppel zu spüren.

Vor zwei Jahren hatten die spanischen Studenten erreicht, daß das verhaßte Zwangssyndikat SEU beseitigt wurde. In der neuen studentischen Organisation APE werden die Studentenvertreter nicht mehr vom Staat ernannt, sondern gewählt. Aber dieses Ventil allein genügt nicht, den Dampf abzulassen. Auch die nicht zugelassenen Studentengruppen sozialistischer und christlich-demokratischer Coleur wollen anerkannt sein.

Vorerst blieb die Regierung hart, obschon sogar die Presse mit Kritik nicht zurückhielt. Mehr als zwanzig Delegierte freier Studentengruppen wurden verhaftet. Prompt antworteten die Studenten in Barcelona mit einem Generalstreik.