"Sie" wünschen mir alles Gute und ich ihnen auch", kam Ludwig Erhard seinem Nachfolger Kurt Georg Kiesinger (links) zuvor, als dieser ihm zum 70. Geburtstag gratulieren wollte. Einen Geburtstagsempfang seiner Partei in Bonn hatte ich der CDU-Vorsitzende und ehemalige Kanzler verbeten: Alle, die sich noch mit ihm verbunden fühlten, sollten in sein Landhaus am Tegernsee kommen. Als erster kam Gerhard Schröder, der als einer der wenigen bis zuletzt an Erhards Seite ausgeharrt hatte. Sodann kam Erich Mende ("wenn es nach mir gegangen wäre, dann wäre vieles anders gekommen"), es folgten viele andere, auch Eugen Gerstenmaier (Bildmitte), der im September noch "bis zur Erschöpfung loyal" sein wollte, schließlich Rainer Maria Barzel (der Ex-Kanzler zeigte ihm bewußt die kalte Schulter) und Franz Josef Strauß (beider Erscheinen war dem FDP-Vorsitzenden Mende geradezu "peinlich": "Erhard weiß doch genau, wer ihn zu Fall gebracht hat!"). Doch der Jubilar übte sich in Selbstzucht: "Ich gehöre nicht zu denen, die sagen, irgend jemand wir schuld."