Als der Kanzler-Bungalow gebaut wurde, habe ich den Architekten, Professor Sep Ruf aus München, dreimal vergeblich gebeten, mir die Zeichnungen und den Bau zu zeigen, weil ich eine Architekturkritik darüber schreiben wollte. Ruf hat mich immer wieder auf später vertröstet, bis ich merkte, daß, er nicht wollte oder nicht durfte.

Der Bungalow – dummes Wort für ein mitteleuropäisches Einfamilienhaus – war das einzige Gebäude, an das ich nicht herangekommen bin,

So mußte ich denn, schon um zu meiner Kritik zu kommen, auf einen Wechsel im Bundeskanzleramt hoffen. Ich dachte an Willy Brandt. Ich wußte, Ruf hatte das Haus so gebaut, daß auch ein Kanzler mit drei Kindern hineinpaßt. Was ich damals nicht wußte, war, daß Wehner andere Pläne hatte.

Neulich nun las ich in der Süddeutschen Zeitung, daß Kiesinger mit Adenauer über das Haus gesprochen hat, in das er einziehen soll.

"Kennen Sie den privaten Trakt?" fragt Kiesinger.

Adenauer verneint.

"Er ist wie ein Schlafwagen", erläutert Kiesinger und wiederholt voller Abscheu: "Wie ein Schlafwagen – in der Mitte ein Gang, rechts und links Zellen."