Ein Freund kommt in Berlin-Tempelhof an, man holt ihn ab und begleitet ihn in sein Hotel. Während der Zugereiste seine Anmeldungsformalitäten erledigt, blättert die bodenständige Berlinerin – faute de mieux – in den Berlin-Broschüren, die beim Portier ausliegen.

Plötzlich: der Atem stockt, das Auge wird starr, fast zittert die Hand, und der Verstand vermag es kaum zu fassen; steht doch da schwarz auf weiß: "Wenn Sie in Berlin sind, vergessen Sie nicht, Ostberlin zu besuchen. Sie werden feststellen, daß der Berliner drüben genauso freundlich, genauso herzlich, genauso fleißig und – genauso laut ist wie sein Gegenstück in Westberlin. Gehen Sie nicht an ihm vorüber."

Ein paar Zeilen weiter heißt es: "Viel Spaß in beiden Teilen unserer Stadt, und wenn Sie wieder zu Hause sind, dann denken Sie daran, Ihren Freunden zu erzählen, daß Berlin wirklich eine Reise wert war."

Ich träume nicht, es ist auch nicht der 1. April, es steht wirklich alles geschrieben vor mir.

Der Besucher allerdings, wird hier mit "dear visitor" angesprochen, und all die freundlichkoexistenziellen Wünsche und Feststellungen werden in englischer Sprache vorgebracht. Die Broschüre – "Rendezvous with Berlin" heißt sie – erschöpft sich nicht in Wünschen und Feststellungen, sie gibt ganz handfeste Anregungen, was man in Berlin jenseits des Schutzwalles und diesseits der Mauer unternehmen kann, von der Kultur bis zur Gastronomie.

Die englischkundige Frontstadtbewohnerin ist so verblüfft, daß sie nicht ruht und kaum rastet – was dem westdeutschen Freund Anlaß zu gehässigen Kommentaren gibt ("da sieht man mal, wie ihr schon vom Kalten Krieg verseucht seid!") –, sie setzt sich mit dem Herausgeber des Gesamtberliner Informationsblättchens in Verbindung.

Er ist Engländer, daher hat er es mit dem gedruckten Groß-Berlintum auch etwas leichter als unsereiner, und seit ein paar Monaten schon, so erzählt er, läßt er alle vier Wochen sein Rendezvous with Berlin" erscheinen. Es sei doch ziemlich necessary, meint er.