Er war fast 84, als er sich entschloß, zum drittenmal zu heiraten – diesmal eigentlich nur, um seinen Sohn und seine Erben zu ärgern. Eine plötzliche Erkrankung, die zunächst nur eine Magenverstimmung zu sein schien, sich dann aber verschlimmerte, gab den Ausschlag, daß er einer 43 Jahre jüngeren Witwe einen Heiratsantrag machte. Er berichtet:

"Ich versuchte, mein Opium einzunehmen, aber es drehte mir den Magen um. Ich war in einem außergewöhnlichen Zustand: Ich konnte sehen, ich konnte hören, aber ich konnte mich weder bewegen noch sprechen. Unglück ist manchmal nützlich; denn dieses hier bewog mich zu heiraten: Ich wollte eine schützende Barriere zwischen meiner Altersschwäche und meinem Sohn aufrichten. Ich sah, wie er sich als der Herr des Hauses aufspielte; er wollte, daß man mich zur Ader läßt, ich wäre tot gewesen, wenn nicht mein Kammerdiener, der mich pflegte, sich gewehrt und geschworen hätte, daß man nur über seine Leiche an mein Blut käme. Meine Sinne kehrten allmählich zurück; ich konnte mich bewegen, bevor ich sprechen konnte, war aber während der ganzen Zeit im Besitz meiner geistigen Kräfte. Sobald ich mich durch Zeichen verständigen konnte, war mein erster Gedanke, an Madame de R. zu schreiben und sie zu bitten, mich zum Beweis ihrer Freundschaft so schnell wie möglich zu heiraten."

Er hatte es so eilig, daß er sich einen erzbischöflichen Dispens beschaffte, um die Hochzeit noch während der Fastenzeit halten zu können. Und dann warnte er seinen Sohn: "Trotz meiner vierundachtzig Jahre rechne ich noch damit, ein Kind zu haben, das ein besserer Mensch als Sie sein wird."

Diese Möglichkeit war nicht von der Hand zu weisen, und zwar nicht nur, weil die junge Frau eine Schwäche für einen sehr viel jüngeren Freund ihres Mannes hatte, vielmehr war ihr Mann trotz seines hohen Alters durchaus fähig, seine Drohung noch selber wahr zu machen. Jedenfalls überraschte ihn die Frau nicht lange nach der Hochzeit, wie er gerade dabei war, sie zu betrügen (zu jener Zeit war sie selber bereits schwanger). Und – so berichtet sein Biograph – um weitere Abenteuer dieser Art zu unterbinden, bestand seine Frau darauf, "daß er die Gewohnheit aufgab, täglich vor dem Essen einen Teelöffel des Aphrodisiakums zu schlucken, das er nach einem geheimen Rezept zusammenbraute.

Sein ganzes Leben lang hatte ihn nichts auch nur entfernt so sehr beschäftigt wie die Liebe, wobei er manches Mal in arge Schwierigkeiten gekommen war. Schon den Fünfzehnjährigen hatte ein (wenngleich mißglückter) Versuch in dieser Hinsicht für länger als ein Jahr ins Gefängnis gebracht. Wo immer es zu entsprechenden Partys kam, war er dabei. Oder anders gesagt: Wo immer er auftauchte, da war hernach von pikanten amourösen Abenteuern die Rede – schon weil er selber immer dafür sorgte, daß seine Eroberungen stadtbekannt wurden und daß seine Rivalen davon erfuhren. Um seinen Ruf als Frauenheld zu pflegen, ließ er manchmal seinen Wagen nächtelang vor dem Haus einer Dame stehen, während er selber gar nicht dort, sondern allein zu Hause war.

Allerdings scheint er seine Abende nur selten zu Hause verbracht zu haben, und schon gar nicht allein. Er hatte gern Gäste, wobei es meist hoch herging. Immerhin wurden hinterher die tollsten Sachen erzählt. Etwa von jenem Sommerabend, an dem es so heiß war, daß er seinen Gästen vorschlug, unbekleidet zu dinieren, und wo dann beim Dessert die Partnerinnen ausgetauscht worden seien.

Wie gesagt, hat auch er selber über solche Dinge gern und ausführlich berichtet. Einmal zu ausführlich: nämlich von einer Gesellschaft, auf der eine junge Gräfin, die offenbar zuviel getrunken hatte, sich plötzlich ausgezogen und sich dann einem Gast nach dem anderen und schließlich gar den Dienern gewidmet habe. Die Verbreitung dieser Geschichte hatte für ihn ein Nachspiel, und zwar ein Duell mit dem Ehemann jener Dame und eine mehrwöchige Untersuchungshaft.