Das jetzt beginnende Nachziehen der Renten, so kann man natürlich sagen, ist nichts anderes als ein Akt der ausgleichenden Gerechtigkeit, die jetzt dafür sorgt, daß die Renten, deren Entwicklung jahrelang hinter der Lohnentwicklung zurückgeblieben ist, ihr nun auch mal für einige Jahre vorauseilen. Aber damit verändert sich auch das Verhältnis zwischen Lohneinkommen und Renteneinkommen; und da in der gesetzlichen Altersversicherung die Renten im Umlageverfahren direkt aus den Lohneinkommen finanziert werden, kann das nicht ohne Folgen für die Höhe der Beiträge bleiben. Zusätzlich zu den wegen der steigenden Zahl der Rentner erforderlichen Beitragserhöhungen ist eine weitere Heraufsetzung der Beiträge dadurch unvermeidbar, daß sich auch das Niveau der einzelnen Renten, verglichen mit den Löhnen, erhöht.

Die nebenstehende Graphik, die auf Berechnungen des Diplommathematikers Gerhard Laskowski (Gerling-Konzern) beruht, und auf deren linken Teil einen Blick zu werfen nun unerläßlich ist, zeigt in anschaulicher Weise, wie sich das Aufholen der Renten auf der steil ansteigenden Straße des Rentenberges auf die Beitragszahler auswirken wird.

Die Arbeitnehmer zahlen gegenwärtig sieben Prozent ihres beitragspflichtigen Einkommens an die Rentenversicherung. Weitere sieben Prozent werden von ihren Arbeitgebern dazugelegt. Der Staatszuschuß macht, umgerechnet auf Beitragsprozente der Arbeitseinkommen, vier Prozent aus, so daß der gesamte Umlagebeitrag 18 Prozent ausmacht.

Unterstellt man – was aber sicher nicht der Fall sein wird –, daß die Löhne in den nächsten Jahren weiter wie bisher um etwa acht Prozent steigen würden, daß Renten und Löhne sich also parallel zueinander weiterentwickeln würden, dann wäre der Rentenberg mit einer Erhöhung des Umlagebeitrages um gute drei Prozent in der Spitze noch ohne übermäßige Anstrengungen zu überwinden. Steigen die Löhne nur um sechs Prozent, dann sind dazu schon weitere zwei Prozent, also im ganzen fünf Beitragsprozente erforderlich. Bei einer Lohnsteigerung von nur drei-Prozent müßten sogar ganze acht Prozent, zusätzlich zu der jetzigen Beitragsleistung, in den Motor der Rentendynamik gesteckt werden.

Es ist klar und liegt auf der Hand, daß Mehrbelastungen in diesen Größenordnungen sowohl aus volkswirtschaftlichen als auch aus sozialen Gründen sehr schwer zu verkraften wären; sie würden die Solidaritätsbereitschaft und den Opferwillen der im Arbeitsleben stehenden Generation, sei es nun als Beitrags- oder Steuerzahler, doch wohl erheblich überfordern. Was kann getan werden?

Nicht zu akzeptieren ist der Vorschlag, der von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände in die Debatte geworfen worden ist – oder mit dem sie zumindest stark sympathisieren –, nämlich die Rentendynamik dadurch abzubremsen, daß die Allgemeine Bemessungsgrundlage künftig nicht auf der Lohnentwicklung, sondern auf der Entwicklung der Produktivität basiert wird. Das wäre in der Tat ein ganz entscheidender Bruch mit dem Prinzip der Rentenreform von 1957,. deren Grundgedanke es war, die Rente, die früher nicht viel mehr als ein kleines Taschengeld im Falle der Invalidität war, zu einem am Lebensarbeitsverdienst orientierten Alterseinkommen zu machen, das dem Rentner die Fortführung seines bisherigen Lebensstandards, wenn auch mit Einschränkungen, gestattet.

Die Praktizierung des Arbeitgebervorschlags würde, da Lohnentwicklung und Produktivitätsentwicklung auch in Zukunft sicher nicht identisch sein werden, ein laufendes Absinken des Rentenniveaus gegenüber dem Lohnniveau zur Folge haben; sozialpolitisch wäre das nicht zu verantworten.