Der historische Teil ist nicht umfangreich, selbst die Geschichte vom Zarismus bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges ist gerafft; ausführlich dagegen wird in dem Photo-Bildband "Leningrad" von Heinz Bergschicker (Stimme-Verlag, Frankfurt; 276 S., 450 Abb., 24,80 DM) die Zeit des Krieges, insbesondere werden die neunhundert Tage der Belagerung durch die deutschen Truppen geschildert, die Zeit der Entbehrungen, des Hungers, der Bedrückung, der Leiden, des Sterbens. Und dieser Teil rechtfertigt den Untertitel des Buches: "Stadt, die den Tod bezwang." Viele Städte Europas haben zwischen 1939 und 1945 unbeschreiblich gelitten, kaum eine jedoch hat mit dieser Zähigkeit und Ausdauer dem Untergang getrotzt. Und mit dieser eminenten russischen Eigenschaft: dieser schicksalergebenen Leidensfähigkeit. Natürlich spricht aus dem Buch bolschewistisches Fortschrittpathos – und die paar letzten Seiten, die die Zeit nach dem Krieg andeuten, sind nicht stark. Aber das Leiden der gesamten Bevölkerung, ob uniformiert oder nicht, in den berühmten neunhundert Tagen ist jeder krittelnden politischen Diskussion entrückt. 650 000 Menschen kamen im Kriege in Leningrad um. Man kann die Aufnahmen nur betroffen anschauen und innerlich registrieren. Nichts mehr sagen. René Drommert