In wenigen Tagen wird der englische Premier Bonn besuchen, um mit der deutschen Regierung die Frage des Beitritts Großbritanniens zur EWG zu besprechen. Der Erfolg der bisherigen Reise – Bonn ist die vierte der sechs Metropolen, die Wilson aufsucht – läßt sich noch nicht übersehen.

De Gaulle sitzt schweigend und beobachtet, was die Engländer auf dieser Tour an Argumenten vorbringen. Ihm ist klar, daß er diesmal nicht wie 1963 einfach ein französisches Veto gegen den englischen Beitritt einlegen kann. Eine solche selbstherrliche Entscheidung, das ist ihm klar, würde eher Frankreich isolieren als Großbritannien.

Ein gut Stück Verantwortung ruht also auf den anderen fünf Partnern der EWG. Von ihnen hängt ab, wie leicht es de Gaulle gemacht wird, den Engländern wie beim "Wurst-Schnappen" die Wurst Zentimeter um Zentimeter höher zu hängen.

In Bonn muß man sich darüber klar sein, daß die Engländer mit Argusaugen jede unserer Regungen beobachten. Viel, wenn nicht alles, wird für unser zukünftiges Verhältnis zu Großbritannien davon abhängen, wie wir uns in dieser Sache verhalten. Wir können uns getrost ein gutes Stück Selbständigkeit herausnehmen. De Gaulle respektiert auf lange Sicht nicht die Kriecher, sondern nur diejenigen, die ihre nationalen Interessen mit Energie vertreten.

Unser nationales Interesse aber muß sein, daß wir in der Ära nach de Gaulle nicht mit einseitigen Bindungen an Frankreich (deren Bedeutung dann niemand kennt) dastehen, während Frankreich selbst mit England durch technologische Zusammenarbeit im Flugzeugbau und durch gemeinsame Entwicklungsprojekte ganz eng verbunden ist. Wenn man das Emotionale ausklammert, sind die Beziehungen zu London auf lange Sicht für uns genauso wichtig wie die zu Paris. Dff.