Echte Polemik nimmt ein Buch sich so liebevoll vor, wie ein Kannibale sich einen Säugling zurüstet. Walter Benjamin

Familienstreit bei Marzottos

Der mit fünf Millionen Lire dotierte Marzotto-Preis, begehrte Trophäe für Künstler, die sich im Licht der Aktualität sonnen, hat Konkurrenz aus dem eigenen Haus erhalten. Der Vater des Grafen Marzotto war der Ansicht, daß die Arbeiten, die für den Marzotto-Preis 1966 als "zeitgenössische Malerei" eingereicht und kürzlich in Baden-Baden als einziger deutscher Stadt ausgestellt waren (vorwiegend Collagen, Assemblagen, Montagen, Objekte), erstens keine Malerei und zweitens keine Empfehlung für das Haus Marzotto seien. Er stiftete daher einen ebenso noch dotierten zweiten Marzotto-Preis, der nach dem gleichen Modus (für Künstler aus Ländern der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft) vergehen werden soll. Eine bemerkenswert elegante Methode, eine abweichende Auffassung in Sachen der Kunst zu manifestieren. Daß es sich keineswegs um eine reaktionäre Ranküne handelt, beweisen die Namen der Künstler, die von deutscher Seite als Preiskandidaten vorgeschlagen sind: Gotsch, Oelze und Wunderlich.

Wiedergeburt

Die Wiener Tageszeitung "Neues Österreich", die vor acht Tagen ihr Erscheinen eingestellt hat, feiert schon in dieser Woche, wenn auch in veränderten Gestalt, fröhliche Wiederauferstehung. Der Titel der neuen alten Zeitung ist "Neues Journal"; linksliberal wie ihre Vorgängerin will sie bleiben; statt sechsmal in der Woche wird sie nur noch einmal, am Wochenende, erscheinen.

Vietnam-Auktion

Bis 15. Februar können Ostberliner Bürger im ‚Klub der Lehrer und Erzieher" Spenden für eine "Solidaritätsauktion für Vietnam" abliefern, die am 10. März über die Bühne gehen soll. "Versteigert werden kleine Kunstgegenstände und kunstgewerbliche Gegenstände (Leuchter, Medaillen, alte Orden, Schmuck, Kleinplastiken, Bilder)" – sagen Ostberlins Touristenprospekte für Westbesucher "Der Überschuß kommt dem Freiheitskampf Vietnams zugute" – ob diese Ankündigung nun einen Überschuß von alten Eisernen und Ritterkreuzen aus bürgerlichen Schubladen locken wird?