FÜR Bibliophile, die sich kostspielige Raritäten nicht leisten können –

Longus: "Daphnis und Chloe", mit Holzschnitten von Aristide Maillol; Carl Schünemann Verlag, Bremen; 175 S., 22,– DM.

ES ENTHÄLT die im dritten Jahrhundert n. Chr. entstandene Hirtengeschichte von Daphnis und Chloe in der Übersetzung von Ludwig Wolde. Für die 1937 bei den Frères Ganin in Paris erschienene Neuausgabe der französischen Übersetzung von Courier, die schon Goethe entzückt hatte, schuf Aristide Maillol 52 Holzschnitte; diese auf 500 Exemplare begrenzte französische Ausgabe gehört heute zu den meist unerfüllbaren Träumen der Liebhaber schöner Bücher.

ES GEFÄLLT, weil auch in der deutschen Ausgabe, die sich in der Gestaltung eng an die französische anlehnt, erhalten geblieben ist, was Maillol unter Buchillustration verstand: das Zusammenspiel von Text, Bild, Typographie, Schrift und Papier. Die nur scheinbar naive Liebesgeschichte der Schafe und Ziegen hütenden Findlinge Daphnis und Chloe ist ein graziöses Zeugnis der Spätantike; über ihren Verfasser weiß man trotz aller Forschung nicht mehr, als daß er griechisch schrieb und vielleicht auf der Insel Lesbos zu Hause war. Der Übersetzer hat den schmalen Grat zwischen Anmut und Manieriertheit nie überschritten. Zu einem der schönsten Bücher der Saison aber wird dieses Kabinettstück der Druckerkunst durch die in Deutschland zum erstenmal nachgedruckten Holzschnitte Maillols, die das heikle Thema des spielenden Liebespaares mit unnachahmbarer Unschuld und Lebendigkeit immer neu variieren. H. S.