Von Heinz Michaels

Die Einwohner von Oberpfaffenhofen bei München sind Kummer gewohnt. So nahmen sie auch kaum davon Notiz, als sich auf dem Werkflugplatz der Dornier-Werke mit heulenden Triebwerken ein bis dato unbekanntes Flugzeug in die Luft erhob. Nur eine Handvoll Journalisten am Flugplatzrand registrierte mit Respekt, daß der Jungfernflug der DO 31 programmgemäß verlief.

Der Welt erstes Düsentransportflugzeug, das senkrecht starten und landen kann, machte nach fünf Jahren Entwicklung seinen ersten Flug. Rund 200 Millionen Mark hat das Bundesverteidigungsministerium bisher dafür ausgegeben.

Das war am Freitag letzter Woche, an jenem Tag, an dem die deutsche Luftfahrtindustrie in Bonn zur Bruchlandung auf dem Schuldenberg der Regierung ansetzte. An jenem Tag zog ein kriegsstarker Zug von Managern auf die Hardthöhe, um mit Verteidigungs-Staatssekretär Carstens noch einmal über die Misere der Branche zu sprechen. In dieser Woche nun mußten die Firmen blaue Briefe schreiben, um Hunderten von Ingenieuren zum 31. März zu kündigen.

Das Unglück zeichnete sich bereits Ende letzten Jahres ab, als der Etatentwurf für 1967 im Titel 309a des Bundesverteidigungsministeriums 690 Millionen Mark für die wehrtechnische Entwicklung auswies. Das sind zwar 200 Millionen mehr als im Vorjahr, doch war dieser Etatposten 1966 radikal gekürzt worden.

Für die Luftfahrtindustrie sind aus diesem Titel 277 Millionen Mark vorgesehen. Aber als das Ministerium zum Jahresultimo Kasse machte, blieben davon nur 120 Millionen; 177 Millionen braucht das Ministerium, um Schulden zu begleichen für Arbeiten, die von der Industrie bereits geleistet und vorfinanziert worden sind, Inzwischen ist der verfügbare Betrag sogar auf etwa 80 Millionen Mark geschrumpft.

Auf der anderen Seite beschäftigt die deutsche Luftfahrtindustrie im Hinblick auf die früheren Projekte und Pläne des Verteidigungsministeriums im Bereich der militärischen Entwicklung rund 8500 Wissenschaftler und Ingenieure. Die Beschäftigung eines Entwicklungsingenieurs kostet die Industrie etwa 60 000 Mark. Sie müßte also, um die Entwicklungskapazität zu halten, Aufträge für 520 Millionen Mark bekommen.