Bonn, im Februar

Mit beredtem Schweigen kommt Kiesinger einem Ziele näher, das er noch vor einiger Zeit nicht entschlossen angestrebt hat: dem Parteivorsitz der CDU. Auf dem Landesparteitag der rheinischen CDU in Oberhausen am letzten Wochenende war ein deutlicher Stimmungsumschwung zugunsten Kiesingers zu erkennen. Seinen sichtbarsten Ausdruck fand er in dem Beschluß, der gegen die Wünsche des Landesvorstandes zustande kam, einen Generalsekretär der Partei zu ernennen. Damit würde der Bundesvorsitzende von jenen zeitraubenden organisatorischen Aufgaben befreit werden, deren Wahrnehmung seine Amtsführung als Bundeskanzler beeinträchtigen müßte. Damit aber verlören die Befürworter der Trennung des Parteivorsitzes vom Kanzleramt eines ihrer gewichtigsten Argumente.

Der Bundesvorstand der CDU, der am Montag in Bonn zusammentrat, wich der Entscheidung über diesen Beschluß des Landesverbandes Rheinland aus. Er beauftragte das Parteipräsidium, die durch das Parteiengesetz notwendig werdenden Satzungsänderungen sowie Vorschläge für etwa erforderlich werdende Änderungen in der Führungsstruktur auszuarbeiten.

Kiesinger erklärte weder in Oberhausen noch in der Sitzung des Parteivorstandes, daß er für den Parteivorsitz kandidieren wolle. Daß er es aber vor hat, unterliegt kaum noch einem Zweifel. Zwar sind Adenauer, Erhard, Meyers, Dufhues, Heck, Barzel und andere gegen die Vereinigung der beiden Ämter. Sollte Kiesinger aber heute oder morgen seine Bereitschaft zu der Kandidatur erklären, dann würde er sicherlich zum Parteivorsitzenden gewählt werden. Dann aber kannte Barzel das Amt des ersten Stellvertreters nicht behalten. Denn neben dem Katholiken Kiesinger in der höchsten Parteiposition müßte ein Protestant an der zweiten Stelle stehen. Es gilt als sicher, daß dann der Protestant Schröder den Katholiken Barzel ablösen würde – so sehr sich auch von Hassel bei diesem Wettlauf in den Vordergrund bringen möchte. Heck, Katholik und Schwabe wie Kiesinger, würde dann wohl in der Parteihierarchie aus konfessionellen und regionalen Rücksichten zurückgestuft werden. R. Z.