Françoise Sagan und die roten Teufel der Parsenn

Von Ernst Hornickel

Wer von Davos talwärts fährt, an der Wolfgang-Paßhöhe und der Alpe Laret vorbei, steht nach einigen Kurven im dunklen Tann vor einem faszinierenden Bild. Vor ihm liegt im ersten oder letzten Sonnenglast auf samtig-grünem oder sachlich-weißem Grund, in anschaulicher Pultschräge, die größte und vielseitigste Chalet-Ausstellung der Schweiz: Klosters.

In einer unvergleichlichen historischen Spannweite von der ultramodernen Zwingburg des amerikanischen Millionärs Fehr bis zum 400 Jahre alten Nutli-Hüsli ist alles beieinander, was Chalet sein und Chalet heißen kann. Eine strenge Gemeinde-Bauordnung fuhr gleich nach dem Ersten Weltkrieg jener landfremden Verwahrlosung der Baustile, die Davos und St. Moritz zu bösen Beispielen machte, energisch in die Reißbretter.

So sind sie entstanden, die Hütten der neuen Eremiten, die Kaminstuben der Deborah Kerr, des Axel Springer, des Prinzen von Hohenzollern-Sigmaringen und all derer, denen die Welt draußen zu laut und zu fahrig geworden ist, der Mitglieder des exklusiven "Five-to-Five"-Klubs, der fröhlichen Mönche unserer Zeit, die dort beim Maienfelder Beerliwein sitzen.

Fröhliche Eremiten hat es in diesem Tale schon immer gegeben. Die ersten waren Benediktiner, die von Churwalden heraufkamen und 1222 das damals neuerbaute kleine Kloster bezogen. Möglicherweise hat Bischof Konrad von Chur sie bessern wollen, denn sie hatten "zu St. Lozien in Chur ein wüstes Leben geführt". Aber die erste Arbeit dieser mißratenen Jünger des heiligen Benedikt bestand darin, daß sie ganze Fässer des guten Maienfelder und Malanser Burgunders durch den Prättigau herauf in ihre Keller karren ließen.

Man sieht: DieGeschichte der fröhilchen Eremiten in Klosters ist alt. Es ist eigentlich gar keine Geschichte, sondern eher ein Zustand. Ein merkwürdiges Schweben zwischen Weltflucht und Lebensfreude 1200 Meter über dem fernen Meer.