Walter Ulbrichts Versuch, den gesamten Ostblock gegen die neue Bonner Entspannungspolitik zu mobilisieren, blieb in den Ansätzen stecken. Von Anfang an stand die von ihm gewünschte Außenministerkonferenz unter einem Unstern: Ursprünglich sollte sie in Berlin stattfinden, wurde aber dann nach Warschau verlegt, weil sich die Rumänen durch die heftigen Ausfälle der DDR-Presse gegen Außenminister Manescus Besuch in Bonn verletzt fühlten (Manescu ließ sich in Warschau vertreten).

Zwar leitete der polnische KP-Chef Gomulka das Treffen mit einem Paukenschlag ein, indem er in Kattowitz eine Brandrede gegen die Bundesrepublik hielt, aber was zum Schluß als Kommuniqué herauskam, war nur noch ein Adagio. Die Bundesrepublik wurde nicht einmal beim Namen genannt.

Das Regime in Ostberlin, gedeckt durch die Sowjetunion und Polen, hätte gern Tschechen, Ungarn und Bulgaren auf Vorbedingungen für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Bonn festgenagelt. Vor allem sollten sie von der Bundesregierung verlangen, den Alleinvertretungsanspruch aufzugeben. Dorf die südosteuropäischen Staaten wollten nicht der Vorteile eines regen Handels mit Westdeutschland um ideologischer Bedenken willen verlustig gehen.

Der Streit um die Auslegung der Bukarester Deklaration vom letzten Sommer endete mit einem Kompromiß. Seinerzeit hatten die Ostblockführer erklärt, die Anerkennung der Existenz zweier deutscher Staaten sei wesentlich für die europäische Sicherheit. Jetzt einigte man sich (angeblich) auf die Formel, daß die Aufnahme nicht gleichbedeutend sei mit der Normalisierung diplomatischer Beziehungen.

Anscheinend hat Ostberlin nun wieder Schritt gefaßt. Hohe SED-Funktionäre forderten nicht mehr die diplomatische Anerkennung der DDR durch Bonn, sondern nur noch die "Anerkennung der Existenz der DDR".