Im deutschen Osthandel waren im vergangenen Jahr die Gewichte ungleich verteilt. Die Länder, deren Vertreter die Bundesrepublik am lautesten kritisierten und verdächtigten, haben die besten Geschäfte mit der deutschen Industrie gemacht. Polen und die Sowjetunion erzielten im Handel mit dem westlichen Teil Deutschlands hohe Exportüberschüsse. Dagegen kamen die südosteuropäischen Länder Rumänien, Ungarn und Bulgarien auf unseren Märkten nicht so recht zum Zuge. Wie schon in den Jahren davor, blieben auch 1966 ihre Exporte erheblich hinter den deutschen Lieferungen zurück.

Verständlicherweise sind sie mit dieser Entwicklung unzufrieden. Schließlich müssen sie irgendwie die Devisen verdienen, mit denen sie die bestellten Maschinen, Chemikalien und Industrieanlagen bezahlen. Weil sie als Planungsländer streng bilateral denken, können sie auf die Dauer keine passiven Handelsbilanzen hinnehmen. Die Bundesregierung war deshalb gut beraten, als sie beschloß, die Wareneinfuhr aus den osteuropäischen Ländern zu erleichtern und dabei besonders die Wünsche der Balkanländer zu berücksichtigen. Versprechungen hat man ihnen in den letzten Monaten genug gemacht. Jetzt muß auch Wort gehalten werden.

Es reicht aber nicht, wenn nur die Liste der Waren überprüft wird, für die Einfuhrbeschränkungen bestehen; auch die persönlichen Kontakte müssen erleichtert werden. Geschäftsleuten aus dem Osten werden heute noch Einreisegenehmigungen nur nach einem umständlichen und langwierigen Verfahren erteilt. Ist es wirklich notwendig, daß Bürokraten wochenlang darüber brüten, ob ein Firmenvertreter aus Osteuropa einreisen darf oder nicht? Mancher Geschäftsabschluß ist schon daran gescheitert. mj.