Die deutsch-belgische Agfa-Gevaert-Gruppe ist das größte europäische Unternehmen der Photobranche. Am deutschen Photomarkt, der nach den USA umsatzmäßig an zweiter Stelle in der Welt liegt, besitzt sie einen Anteil von mehr als der Hälfte, in der EWG ist sie mit gut einem Drittel beteiligt. Die Gruppe ist heute – 2 1/2 Jahre nach der Fusion – mit gemeinschaftlichen Vertretungen, darunter 26 eigene ausländische Vertriebsgesellschaften, in allen Ländern der westlichen Welt tätig. Die Exportquote liegt bei 63 Prozent.

So eindrucksvoll diese Angaben sind, im Vergleich zu ihrem größten Konkurrenten, der nordamerikanischen Eastman Kodak Company, ist die Agfa-Gevaert-Gruppe noch bescheiden zu nennen. Der US-Konzern ist im Photosektor mit über 4 Milliarden Mark Umsatz, wovon fast die Hälfte außerhalb der Vereinigten Staaten erzielt wird, rund dreimal so groß wie Agfa-Gevaert. Der Konkurrenzkampf spielt sich zur Zeit am heftigsten auf dem Kameragebiet ab. Kodak kam vor etwa vier Jahren mit dem neuen System der einfach zu bedienenden Instamatic-Kameras heraus, Agfa-Gevaert konterte einige Zeit später mit dem Rapid-System. Da diese Kassetten-Kameras nur mit Filmen der eigenen Marke bedient werden können, kann es für die Entwicklung beider Gesellschaften entscheidend sein, wie der Kameraabsatz floriert.

Und hier hat Kodak den Vogel abgeschossen, denn von ihrem System sollen bisher nahezu 20 Millionen Stück verkauft worden sein, während Rapid-Kameras auf drei Millionen kamen. Obwohl die Agfa-Gevaert-Gruppe ihr neues System allen Kameraherstellern ohne Lizenzgebühren (im Gegensatz zu Kodak) anbot, steht sie heute mit ihrer Konzeption ziemlich einsam da. Kein Wunder, daß sie eine Lizenz (im Austausch gegen eine andere allerdings) für die Fertigung von Kodapak-Filmkassetten erworben hat.

Die Bedeutung des Kamerabereichs innerhalb der Agfa-Gevaert-Gruppe dürfte in Zukunft abnehmen. Das große Geschäft wird die Photochemie bringen, besonders im technischen Bereich, wo die Möglichkeiten – anders als auf dem Amateurgebiet als "fast unbegrenzt" bezeichnet werden. Mit dem starken Rückhalt der deutschen Muttergesellschaft, nämlich den Farbenfabriken Bayer, wird es Agfa-Gevaert sicherlich gelingen, ihren Marktanteil auf diesem Gebiet weiter zu verbessern. Eh